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Frühlingsgefühle


Pünktlich zur Tag- und Nachtgleiche und damit zum Frühlingsanfang lud das Wetter endlich mal wieder zu einem Spaziergang ein. Weiter als bis zum Vogelturm haben wir es aber nicht geschafft, denn einen Tag zuvor lag ich noch mit Fieber im Bett und Annika war auch nicht ganz fit. Stattdessen haben wir uns im Windschatten in die Sonne gelegt und einfach nur das Licht genossen.

Die Sonne wärmt jetzt schon wieder richtig, es herrscht auch nicht die ganze Zeit Sonnenauf-/-untergangsstimmung und selbst um sieben Uhr abends ist es nicht mehr stockfinster. Der See ist, bis auf in einigen Buchten, wieder komplett offen und überhaupt sieht man Eis und Schnee nur noch selten. In der Stadt hat man sogar schon angefangen, den Split zusammenzukehren.

Seit einigen Wochen hört man immer öfter Gänse, die aus dem Süden heimkehren, am Hornborgasjön haben sich schon wieder mehrere tausend Kraniche versammelt und an den Bäumen fangen die Knospen an, dicker zu werden. Jedes Jahr ist es wieder schön, die Natur beim langsamen Erwachen aus dem Winterschlaf zu beobachten.

Und da die Natur bekanntermaßen gezähmt werden muss, konnten wir es uns dann nicht verkneifen, eine erste Spritztour mit unserem neuesten Gartenspielzeug zu machen, das wir vor ein paar Tagen abgeholt haben. Über den Winter liegengebliebenes Laub kann man ja auch einfach zerhäckseln, statt es einzusammeln…

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Herbstbild


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Zwei große Spaziergänge an diesem wunderschönen Herbsttag, einer im Wald, einer am See. Die Natur ist ungewöhnlich spät dieses Jahr, die letzten Jahre war es bereits Mitte September so bunt. Diese Woche hatten wir die ersten Nachtfröste, auch das ist spät. Doch der Winter naht, und damit man das nicht vergisst, stellen die Schweden jetzt wieder überall orange Stangen an den Straßenrand… Aber bis es soweit ist, versuchen wir im milden Strahl der Sonne so viel Licht wie möglich zu tanken.

Keine Nachrichten = gute Nachrichten


Im Jahr 2000 steckte das Internet noch in den Kinderschuhen, Emails waren noch nicht überall eine Selbstverständlichkeit und vieles wurde sogar noch der guten, alten Post anvertraut. In ebendiesem Jahr war ich als Austauschschülerin mehrere Monate in einer Kleinstadt mit einer Million Einwohnern in der tiefsten zentralchinesischen Provinz.
Da ich bei meiner Abreise wenig über meine Gastfamilie und meine Lebensverhältnisse in den kommenden Monaten wusste, aber schon vermutete, dass die Kommunikation schwierig werden könnte, vereinbarte ich mit meiner Mutter: Keine Nachrichten = gute Nachrichten.
Sollte heißen: Wenn ich mit Malaria darniederliegen, mit Blinddarmentzündung nach Hongkong ausgeflogen würde oder mir eine Rikschah den Fuß abgefahren hätte, dann hätte vermutlich jemand meine Mutter informiert. Im Normalfall bedeutete Funkstille aber höchstwahrscheinlich Stromausfall, keine Internet-/Telefon-/Faxverbindung oder schlicht: viele Erlebnisse und keine Zeit für Heimweh.

Die Funkstille, die hier auf Brevlåda in den letzten Wochen herrschte, ist auf letzteres zurückzuführen. Der Sommer, der sich im August letztlich doch noch hergetraut hat, war einfach zu kostbar, um länger als unbedingt notwendig vor dem Rechner zu sitzen. Außerdem waren in der alten Heimat Sommerferien, sodass wir viel Zeit mit urlaubenden Freunden hier in der Gegend verbracht haben. Die Kombination aus: Job mit Möglichkeit zum Homeoffice + Jonas‘ Semesterferien + VW-Bus + in Schweden (fast) überall verfügbares Internet ermöglichte uns drei lange Wochenenden in Folge, nur ab und zu mussten wir uns dann doch mal bei der Arbeit blicken lassen… (Das heißt nicht, dass ich nicht gearbeitet hätte, aber dabei mit Freunden vor deren Ferienhaus zu sitzen und nach der Arbeit noch schnell in den Vänern zu springen, hat schon was.)

Aber warum „wir“ bei der Arbeit – Jonas hat doch noch Semesterferien? Jein. Die Hochschule ruht zwar noch ein paar Tage, aber sein neuer Job als Kontrabass-/Streicherlehrer in einer kommunalen Kulturschule hat bereits begonnen. Aber davon soll er selbst demnächst hier berichten.

Naturgemäß sammelt sich bei so vielen Erlebnissen eine Menge Erzähl- und Fotomaterial an. Und unser Åland-Urlaub wurde hier auch noch nicht in der nötigen Ausführlichkeit bebildert, ebensowenig wie unser Ein-Jahr-in Schweden-Jubiläum gewürdigt wurde… waaaah, Freizeitstress!

Der hat die Ruhe weg.

Für kommendes Wochenende hoffe ich daher mal ganz ketzerisch auf schlechtes Wetter, damit neben meiner (deutschen) Steuererklärung von 2011 auch hier ein paar Zeilen entstehen können. Denn am Wochenende danach sind wir auf einen 40. Geburtstag bei (schwedischen) Freunden eingeladen, anschließend folgen drei Chorwochenenden mit Proben und CD-Aufnahme, dann eine Konzertreise nach Cambridge, dann eine Konzertreise nach Karlsruhe und dann ist Weihnachten. Jedenfalls gefühlt.

Auch wenn es hier gerade etwas ruhiger ist – irgendwann kommen auch wieder lange, dunkle Novemberabende und die eignen sich ja bekanntlich ausgezeichnet dafür, die Fotos des vergangenen Sommers zu sortieren und in den Erinnerungen an endlose Sommernächte zu schwelgen. Aber solange lassen wir euch nicht warten. (Wage ich jetzt mal mutig zu behaupten…) Ansonsten gilt: keine Nachrichten = gute Nachrichten.

Luxus ist auch…


…unser Wohnmobil. Nicht, dass unser Bus als solcher besonders luxuriös wäre. Natürlich ist er bequemer als ein Zelt, und die Toilette hat uns auch schon manchen Gang durch den Regen erspart. Aber klassischer Luxus sieht im Wohnmobil sehr anders aus.

Der eigentliche Luxus mit unserem Bus ist ein ganz anderer: Freiheit. Die Möglichkeit, einfach mal am Wochenende abzuhauen und den Alltag zu Hause zu lassen. Und zwar ohne sich vorher große Gedanken über die Reiseorganisation zu machen. Einfach ein paar Klamotten zusammengepackt, WoMo-taugliches Essen eingekauft und fahren, wohin einen die Straße führt. Oder wo nette Freunde aus Deutschland auf einen warten. Zum Beispiel über die Pfingstferien in Dalsland.

Mein erstes Studienjahr ist schon seit ein paar Tagen vorbei, ich hatte also am Freitag keine Verpflichtungen und konnte schon (fast) alles für die Reise vorbereiten. Ziemlich bald nachdem Annika den Laptop zugeklappt hatte – sie kann freitags mittlerweile von zu Hause aus arbeiten – waren wir auf der Straße nach Norden. Gegen acht hatten wir unser Ziel erreicht und warteten auf unsere Freunde.

Am nächsten Morgen gab es dann Frühstück mit verspätetem Geburtstagskuchen für Annika vorm Ferienhaus und…

Dann ging es weiter zu einem Antiquitätenladen. Zu Mittag aßen wir im Holzofen gebackenes Brot mit Butter und Käse im urgemütlichen Café in Hamrane (dazu an anderer Stelle mehr).

Den Abschluss machten dann ein Spaziergang und ein Eis am Vänerstrand.

Am Sonntag war dann das Wetter leider nicht mehr ganz so schön, was uns aber nicht von einem Besuch der Schleusen in Trollhättan abgehalten hat.

Selbst in den heute stillgelegten Schleusentreppen grünt und blüht es überall.

Und jetzt dürft ihr raten, was Annika außer dem Kuchen noch zum Geburtstag bekommen hat.

Kinnekulle


Nach unserer Wanderung auf Hindens Rev ging’s via Lidköping weiter zum Kinnekulle, einem Tafelberg mit sensationellen 306 m. Da das Umland aber überwiegend aus Wasser und Pfannkuchenlandschaft besteht, machen die 306 m überraschend viel her.

An Ostern sind die meisten Campingplätze noch geschlossen, deshalb standen wir auch die zweite Nacht mit unserem Bus in freier Landschaft, was ja in Schweden dank Allemansrätt (Jedermannsrecht) mit gewissen Einschränkungen erlaubt ist. Ohne dass wir danach gesucht hätten, landeten wir abends auf diesem Platz in der Nähe von Hällekis:

Logenplatz

Einfach nur traumhaft… Der Platz war nach drei Himmelsrichtungen offen, und lag ein ganzes Stück oberhalb des Vänern, Schwedens größtem und Europas drittgrößtem See, sodass man eine sagenhafte Aussicht hatte. Schloss Läckö mit seinen schneeweißen Türmen, die Insel Kållandsö mit dem vorgelagerten Schärengarten von Eken und die Värmlandsnäs, aber auch die ganze Westküste zwischen Mellerud und Åmål konnten wir sehen, also über 70 km weit. Lediglich nach Norden war nur der blaue Horizont zu sehen. Zumindest solange, bis vor unserem Panoramahotel die Sonne unterging…


Die gängige schwedische Interpretation eines Osterfeuers scheint ein klassisches Feuerwerk zu sein. Und als es gegen halb 10 dann dunkel wurde, ging es los: Die komplette Küstenlinie war mit bunten Lichtern gesprenkelt und man konnte anhand der Raketen deutlich erkennen, wo Städte, Dörfer oder auch nur einzelne Häuser lagen.
Sogar Karlstad am nördlichen Vänernufer, das bei Tageslicht noch unter dem Horizont versteckt lag, ließ sich auf einmal erahnen, denn die Raketen kamen offensichtlich hoch genug, um die Erdkrümmung zu überwinden. Wenn ich dann mal ganz groß bin, habe ich vielleicht eine Kamera, die auch sowas einfangen kann…

Am Ostersonntag waren wir dann endlich oben auf dem Kinnekulle und haben eine schöne Schneewanderung gemacht. Schade nur, dass der Aussichtsturm noch geschlossen war. Aber das ist nur einer der Gründe, warum wir unbedingt nochmal in diese Ecke müssen.

Winterfreuden


Da ich am Freitag leider eine Absage von meinem erhofften neuen Arbeitgeber erhalten hatte, mussten wir dieses Wochenende unbedingt was Schönes machen.
Deshalb haben wir gestern eine befreundete deutsch-schwedische Familie besucht, die hier in der Nähe „im Wald“ wohnt. Eigentlich wollten wir gemeinsam Eisangeln gehen, aber da es doch ziemlich windig, kalt und ungemütlich war, gingen wir direkt wieder ins Haus, nachdem wir das Loch gebohrt hatten.

Wir waren einigermaßen beruhigt, als wir sahen, dass das Eis an die 30cm dick war. Der Jüngste schien trotzdem ziemlich Angst davor zu haben, sich auf dem Eis aufzuhalten, was sein Vater mit den Worten „ist halt ein halber Deutscher“ kommentierte…

Heute, am Sonntag, konnten wir in der Sonne frühstücken, die jetzt bereits wieder zur (Sonntags-)Frühstückszeit in unsere Küche scheint. Das Thermometer auf der Außenfensterbank stieg dann auch rasch auf unrealistische +15° an – die tatsächliche Lufttemperatur dürfte jedoch tatsächlich im Plusbereich gewesen sein.
Bei diesen fantastischen Voraussetzungen mussten wir unbedingt an den Hultasjön, wo wir ja im Sommer immer baden gehen, und wo auch das Ferienhaus liegt, das Jonas Eltern an Weihnachten gemietet haben.

Mit dem Wissen, dass das Eis dick genug ist, noch dazu bei warmer Mittagssonne und Windstille war das heute ein echter Wintertraum – oder doch schon vårvinter (Frühlingswinter), die schwedische fünfte Jahreszeit?
Wir waren bestimmt zwei Stunden auf dem Eis und ich war danach auch ordentlich durchgeschwitzt, obwohl ich meine Winterjacke schon bald ausgezogen hatte. Warum? Seht selbst…

Zugegeben, meine besten Zeiten als Eisprinzessin habe ich wohl hinter mir, aber zu meiner Verteidigung muss ich auch sagen, dass die Schneedecke auf der Eisfläche ganz schön gewöhnungsbedürftig war und das Eis mit schönem Eishalleneis ungefähr so viel gemein hatte, wie eine Schotterstraße mit einer Bowlingbahn…

„Der erste Schneesturm des Jahres“


…sei dieses Wochenende zu erwarten, titelte GT (Bildzeitung auf Schwedisch) gestern großspurig. Nun, sagen wir mal: ja, wir haben (endlich!!!!) ein wenig Schnee und ein bisschen windig war es auch. Leider nur knapp unter null Grad und daher nur Pappschnee, aber ich will mich nicht beklagen. Endlich ist es draußen weiß und es soll auch ein paar Tage so bleiben. Wir haben heute jedenfalls einen wunderschönen Spaziergang im (sogenannten) Schneesturm gemacht und hätten wir einen Schlitten, hätten wir ihn heute benutzt.

Die Aussicht beim Frühstück...

...macht Lust auf einen Spaziergang. Vorbei am Heimatmuseum...

...über die kleine Brücke...

...drüber...

...und durch den Winterwald.

Darf gerne noch mehr werden.

Tadaaa!!


Meine Güte ging das schnell! (Der Satz war jetzt bei Olaf geklaut:-)) Auch wenn es erst Donnerstag ist, ist, glaube ich, heute schon ein kleiner Überblick über die Woche fällig.

Montag:
Ich finde eine Jobannonce, die schon etwas veraltet scheint und frage an, ob sie noch aktuell ist. Die Antwort kommt zügig: man habe zwar schon einige Kandidaten, sei aber nicht richtig zufrieden, meine Bewerbung ist also noch välkommen. Ich schicke meine Bewerbung und am frühen Abend kommt ein Anruf: Bewerbungsgespräch am Dienstag? Jo, passt.

Dienstag:
Bewerbungsgespräch. Sehr neutral und kühl, nicht die Kuschelatmosphäre, die ich bisher in schwedischen Schulen kennengelernt habe. Ich habe zwar das Gefühl, alle Fragen „irgendwie ok“ pariert zu haben, aber angenehm ist anders. Es kamen keine Fangfragen, alles ausschließlich jobbezogen (und deshalb erwartbar), null Smalltalk. Zumindest bekomme ich das Feedback, dass meine Kleidung dem Dresscode der Schule angemessen ist. Um die Frage nach meinen Gehaltsvorstellungen winde ich mich herum.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenztest

Mittwoch:
Der nächste Schritt im Rekrutierungsverfahren sind zwei Online-Tests: Intelligenz und Persönlichkeit. Der Intelligenztest besteht aus 40 geometrischen Aufgaben von nebenstehendem Typ, für die ich 30 Minuten Zeit habe. Die ersten 20 Aufgaben fallen mir leicht, danach wird es schwieriger, am Schluss rate ich mich irgendwie durch.
Der Persönlichkeitstest ist ein klassischer Big-Five-Test und besteht aus 120 Sätzen, die ich auf einer Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 4 (stimme voll zu) bewerten soll: „Ich rede gerne vor größeren Gruppen.“ „Ich finde es wichtig, dass sich alle an gegebene Regeln zu halten.“ „Bei schwierigen Aufgaben gebe ich schnell auf.“

Offensichtlich besitze ich sowohl Intelligenz als auch Persönlichkeit (zumindest genug für solche Tests…), denn am frühen Abend kommt der Anruf der Schule: Die Tests habe ich bestanden und wenn ich will, kriege ich den Job – YEAH! Und erneut die Frage nach meinen Gehaltswünschen. Wieder laviere ich mich raus, ich will erst noch mit zwei Lehrerinnen aus dem Chor sprechen, die ich den Tag über nicht erreicht habe. Der weitere Abend vergeht mit Telefonaten und Lohnrecherche.

Donnerstag:
Ich bringe erst Jonas zum Flughafen, der übers Wochenende beim Neujahrskonzert der FES in Bonn spielt und fahre anschließend weiter zur Schule. Die erste Gehaltsverhandlung meines Lebens steht an. Ich weiß, was ich will, ich weiß wo meine Untergrenze ist. Als es dann soweit ist, sage ich eine Zahl, die wohl völlig unerwartet ist. Merke für die Zukunft: in Schweden verhandelt man bei Teilzeitstellen nicht das tatsächliche Gehalt, sondern das 100%-Niveau und rechnet dann entsprechend runter. Wir multiplizieren also schnell (und sehr „über den Daumen gepeilt“, was mir in der Aufregung nicht auffällt) meine Vorstellungen auf ein 100%-Niveau und landen mehrere 1000 SEK über dem, was man mir eigentlich zahlen möchte. Ich rechtfertige mich jedoch mit dafür vorher zurechtgelegten Argumenten (Studium, Berufserfahrung) und komme durch. Schon steht die Zahl im Vertrag. Als ich später in Ruhe nachrechne, merke ich, dass das Über-den-Daumen-Gerechne zwar zu meinen Ungunsten ausgefallen ist, dass mein Gehalt aber noch über dem liegt, was mir meine gewerkschaftlich informierte Chorgenossin als Richtwert genannt hat. Auch der Blick in die Lohnstatistik sagt mir, dass ich mich nicht unter Wert verkauft habe – wenn man mal davon absieht, dass es sich um eine 30%-Stelle handelt, die erstmal bis zu den Sommerferien befristet ist. Trotzdem bin ich sehr glücklich. Es ist ein Anfang und mein „Marktwert“ auf dem Arbeitsmarkt ist so allemal höher als vorher.

Wie sieht mein Arbeitsplatz jetzt also aus? Das private Gymnasium (d.h. Klasse 10-12), das zu einer der größten Bildungsfirmen Schwedens gehört, liegt in einem schicken Jugendstilgebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zu Anwaltskanzleien, Architekturbüros und schicken Hotels, ein paar Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Es hat eine deutlich sichtbare Ausrichtung auf… ich nenne es mal „Business“. Sichtbar insofern, als da für die Lehrer ein Dresscode gilt – für die Männer heißt das Anzug, für Frauen… keine Ahnung. Jeans jedenfalls nicht. Ich werde wohl das erste Monatsgehalt in neue Klamotten investieren müssen, kann ja jetzt nicht täglich zwischen meinem Konzert- und meinem Prüfungsoutfit wechseln…
Auch die Schüler wirken auf den ersten Blick wie… wart ihr schonmal an einem Sommertag in einem schicken Schärenort und habt gesehen, was da so von den Motoryachten runterkommt? Alternativ verweise ich auf einen ehemaligen deutschen Verteidigungsminister. Nur mit mehr Haargel.
Aber don’t judge a book by its cover. Immerhin gibt es Umkleideräume für die Lehrer und die Rektorin sagte frei heraus, dass sie natürlich noch keinen Hosenanzug trage, wenn sie mit dem Fahrrad zu Schule komme. So praktisch, die Schweden…

Ich werde zwei Deutschkurse übernehmen – einen montags und mittwochs, den anderen dienstags und donnerstags. Keine optimale Aufteilung für eine 30%-Stelle, aber was solls. Ich konnte heute schon mit der werdenden Mutter sprechen, die ich vertrete und das war ausgesprochen positiv. Morgen treffen wir uns nochmal länger und ich werde einen dicken Ordner mit Schüler- und Unterrichtsunterlagen erben. Das Wochenende ohne Jonas wird also nicht langweilig, denn am Montag ist schon mein erster Arbeitstag.

Das Schicksal meinte es diese Woche wirklich gut mit uns. Nicht nur, dass Jonas ein neuer (bezahlter!) Kompositionsauftrag aus Deutschland in Aussicht gestellt wurde, es kam für mich auch noch eine Einladung zu einem weiteren Vorstellungsgespräch im Februar. Ein Verein für Waldpädagogik sucht ab März einen hauptamtlichen Projektleiter, der Ferienlager und Waldtage für Schulen organisiert und betreut. Auch eine befristete Stelle, aber immerhin bis August 2013.

Falls dieser Verein mich tatsächlich auch wollen sollte, müsste ich mich entscheiden. In jedem Fall müsste ich shoppen gehen. Fragt sich nur: Fjällräven oder Lacoste (haben die überhaupt Frauensachen? – Keine Ahnung.), Fleecejacke oder Hosenanzug, Wander- oder Stöckelschuhe…

Aber noch ist ja nicht soweit. Aber nach so einer Woche darf man doch ein bisschen träumen, oder?

Risveden


Man könnte es einen Tick nennen, aber wenn ich draußen bin, habe ich immer das Bedürfnis, irgendwo hinaufzugehen. – Warum? Um runterzuschauen natürlich, was für eine Frage…

Weil die Zeit, in der die Sonne im Moment theoretisch scheinen könnte, doch ziemlich kurz ist, sodass der klassische Nachmittagsspaziergang diesbezüglich eine eher sinnfreie Angelegenheit ist, haben wir uns heute gleich nach dem Frühstück auf die Socken gemacht. Nur ein paar Kilometer hinter Skepplanda beginnt das Naturreservat Risveden, das uns schon länger gelockt hat. Das Risveden als solches gibt es aber eigentlich gar nicht, denn Risveden besteht aus vielen kleinen Naturreservaten. Eine wunderschöne Gegend und wir waren bestimmt nicht das letzte mal dort.

Schon die Anfahrt war spannend: der längste Teil war das, was ich gerne als „dreidimensional kurvig“ bezeichne. Und die Schneestangen, die inzwischen überall an den Straßenrändern stehen, machen Hoffnung auf den Winter – ich meine, Jonas ist ja nicht gerade der Kleinste…

Die Sonne kommt inzwischen auch mittags kaum noch richtig hoch und gegen halb fünf ist es dann auch stockfinster. Das führt dazu, dass man irgendwie den ganzen Tag lang – also dann, wenn es hell ist – das Gefühl hat, dass gerade Sonnenuntergang ist. Und das führt dann schonmal zu wundervollen Lichteffekten…
Leider lässt der echte Winter noch auf sich warten, es ist wohl der wärmste November seit einigen Jahrzehnten. Unsere Winterjacken ruhen auch noch im „Sommerschlaf“. Hach, was freu ich mich auf den ersten Schnee…

Jonas ist 1,85m - aber wie hoch wird der Schnee im Winter wohl liegen...?

Auf solchen Wegen könnte ich stundenlang wandern... Und das beste: es geht bergauf...!

Die Sonne kommt kaum noch bis zum Waldboden.

Geschafft! Der höchste Punkt (184 müM) in unserer Kommun!

Schöne Aussicht!

Das abendliche Licht täuscht, es ist ein Uhr mittags.

Gegen zwei Uhr: Nachmittagslicht

Halb drei: Abendstimmung am Kroksjön

Erster Frost


Bisher ist der Herbst hier in Skepplanda sehr mild verlaufen, anscheinend waren gerade die ersten Oktobertage sogar rekordverdächtig warm. Zwar konnte man nicht im T-Shirt draußen rumlaufen, eine Jacke war aber auch nicht jeden Tag nötig. Und auch wenn es geregnet hat, waren das eher Sommerstürme mit Gewitter, Platzregen und Hagel als Herbstgriesel. Seit vorgestern ist es jetzt aber vorbei mit knapp 20 Grad am Nachmittag, am Mittwoch musste Annika das erste Mal morgens das Auto freikratzen und auch gestern und heute war die Frühstücksaussicht eisig. Dabei ist das Wetter immer noch wunderbar, die Sonne scheint den ganzen Tag vom winterklaren Himmel – was ja auch eigentlich das perfekte Frostwetter ist.

Unsere Frühstücksaussicht

Herbstspaziergang