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Nu isser wech…


Campingplatz in Hjo

Fast ein halbes Jahr lang hatten wir die Annonce im größten schwedischen Kleinanzeigenmarkt Blocket drin und in Deutschland bei Mobile.de und heute Abend ist er das letzte Mal vom Hof gerollt. Jetzt fühlt es sich an, als ob er in die richtigen Hände gekommen ist, ein alleinerziehender Vater, der bei einem großen schwedischen Autohersteller arbeitet.

Wenn ich eines niemals im Leben werden möchte, dann Gebrauchtwagenverkäufer. Für uns war es das erste Mal, dass wir ein Auto privat verkauft haben, ja, eigentlich das erste Mal überhaupt, dass wir was bei Blocket verkauft haben. Wir hatten die Hoffnung ja schon fast aufgegeben, dass sich noch ein Käufer finden würde, der das Auto und dessen Wert zu schätzen weiß und uns selbst eine Frist bis Anfang Oktober gegeben, wo wir das Auto beim Wohnmobilhändler Borås in Kommission gegeben hätten, natürlich weit unter dem Preis, den wir eigentlich dafür haben wollten.

Unglaublich, was wir in der Zeit für Leute kennengelernt haben… Anfangs waren wir noch sehr enthusiastisch und haben uns für jeden Interessenten fast zwei Stunden Zeit genommen, um das Wohnmobil in all seinen Details zu präsentieren, hatten alle Unterlagen parat, haben eine lange Probefahrt unternommen… Mit der Zeit wurden wir dann etwas weniger kundenorientiert, als wir langsam einsahen, dass eine Wohnmobilbesichtigung für viele eine ganz normale Wochenendbeschäftigung zu sein scheint, ohne auch nur im Entferntesten eine Kaufabsicht zu haben. Wenn man sich über eine Stunde lang den Mund fusselig geredet hat und am Ende sagt der Interessent „ja, ist ja ganz nett, aber eigentlich suchen wir ja was mit fest eingebautem Längsbett, Alkoven, nicht älter als drei Jahre und bitte für die Hälfte des Preises“, dann fragt man sich schon, warum man man eigentlich eine Annonce mit 6 Bildern und langer Ausrüstungsliste für einen 22 Jahre alten VW-Bus Carthago geschaltet hat. Und warum man sich von solchen Idioten Touristen den halben Sonntag kaputtmachen lässt.

Zeiten… auch so ein Thema. Es gibt Leute, die Mitte der Woche anrufen, sich erkundigen und dann einen Besichtigungstermin fürs Wochenende ausmachen. Dann fragt man Freitagabend nochmal nach ob es bei der Zeit am Samstagvormittag bleibt, Antwort: jein, man würde lieber am Nachmittag kommen. Na gut, plant man halt seinen Tag etwas um, steht am Nachmittag bereit. Eine halbe Stunde nach vereinbarter Uhrzeit: keiner kommt. Anruf: „ja, wir sind schon fast unterwegs, es wird ein bisschen später“. Hmpf. Nagut, also weiter warten, man möchte das Auto ja gerne verkaufen. Ein Stunde später immer noch nix, erneuter Anruf. Keiner geht ran. SMS. Keine Antwort. Eine halbe Stunde später: Erneuter Anruf. Antwort: „Ja, nee, wir habens uns jetzt doch anders überlegt und sind stattdessen nach Ullared gefahren.“ Achso, ja danke auch, und wann wolltet ihr uns das mitteilen? Das denkt man natürlich nur, man pöbelt ja nicht wildfremde Leute an, Karma und so. Aber der Samstag ist dann trotzdem irgendwie am Arsch gelaufen.

Leider mussten wir diese Erfahrung häufiger machen, manche Leute sind da echt völlig schmerzbefreit, was das Verschwenden anderer Leute Wochenende angeht. Aus der Annonce und den Bildern ging natürlich sehr klar hervor, dass wir das Auto privat verkaufen.

Eine dritte Sorte Interessent haben wir zum Glück immer direkt per Mail abwimmeln können: unseriöse Idioten Leute, die uns ein „schnelles Geschäft“ anbieten und dann einen Preis nennen, der nicht mal die Hälfte unseres erhofften Zielpreises betrug. Auf schwedisch gibt es dafür das schöne Wort skambud, Schamgebot. Und natürlich Leute, die uns anbieten, dass sie das Auto kostenlos bei uns abholen und dann in Stockholm verkaufen. Das Geld würden wir dann kriegen, sobald das Auto verkauft sei. Ja, nee, is klar ne?!

Nun gut, Ende gut, alles gut. Schließlich kam dann doch der richtige Interessent und wir wurden uns auch recht schnell über einen Preis einig, mit dem wir gut leben können. Und jetzt? Machen wir nur noch Flugreisen nach Mallorca statt Womo-Urlaub?

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Kaum. Im Gegenteil. Die Jungfernreise mit unserem Neuen im Sommer ging nach Norwegen. Mit uns war auch… nein, leider nicht Tschaikowski. Das war eine andere Geschichte, die so traurig war, dass ich sie nicht hier im Blog erzählen will. Aber frei nach Loriot: Ein Leben ohne Katze ist ist möglich, aber sinnlos lebt seit Mai Pulcinella bei und mit uns. Eine vornehme kleine Dame mit starkem eigenem Willen, die sich sehr schnell im Wohnmobil heimisch gefühlt hat.

 

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Winter? Frühling? Sommer!


Vor zwei Wochen hat es das letzte Mal geschneit, gestern hatten wir bei unserem jährlichem Musikschul-Großkampftag „Musikens Dag“ – Tag der Musik mit 6 Stunden Non-stop Konzert auf der Freilichtbühne – um die 28°C und wir mussten zusehen, dass uns die kleinen Bläser nicht reihenweise in der prallen Mittagssonne umkippten. Als wir abends abbauten, war das E-piano auf der Bühne gelb von Blütenstaub. Und heute entdecken wir, dass der Steg an unserem Hausbadeplatz wieder draußen ist, damit ist jetzt offiziell Sommer!

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Gebadet habe ich noch nicht, dafür war einfach noch keine Zeit. Entweder ist Tag der offenen Tür in der Musikschule oder Jugendmusikfestival in Västerås oder Nationalfeiertag in Norwegen oder Projektwoche oder Konzert hier oder Pipapo dort…

Das Wetter spielt dieses Jahr echt verrückt, erst diese Woche sind die Bäume wirklich grün geworden, sonst passiert das immer um den 1. Mai herum…

Kleine Anekdote am Rande: Erstmalig haben wir dieses Jahr zu unserem jährlichen Engagement zum norwegischen Nationalfeiertag am 17. Mai nicht nur unser Jugendorchester (ab 7. Klasse) mitgenommen, sondern auch noch unser Juniororchester (4.-6. Klasse) mit schwarzer Uniform, grüner Baskenmütze und weißen Handschuhen ausgestattet und nach Norwegen mitgenommen. Für die Kleinen war es das erste Mal, sowohl in Uniform, als auch marschierend aufzutreten. Auf die Packliste hatten wir daher zusätzlich noch geschrieben, dass es sich empfiehlt, unter der Uniform – je nach Wetterlage – lange Funktionsskiunterwäsche zu tragen, weil Marschieren und Musizieren einerseits eine schweißtreibende Sache sein kann und man andererseits beim Absingen der Hymne und Redengeschwinge und Fahnengedöns schon mal eine Weile regungslos in eiskaltem norwegischem Wind rumstehen muss. Und ne dicke Jacke unter der steifen Uniformjacke, das geht auch nicht.. Hat in Norwegen auch alles wunderbar funktioniert, 12-15°C, bewölkt, etwas Wind, da war die leichte Skiunterwäsche unter der Uniform perfekt.

Nun war gestern also unser „Tag der Musik“ und wieder großes Marschorchester und Tamtam und Trara, aber diesmal morgens um 8 schon an die 20°C. Große Parade um 10 Uhr, ca. 15 Minuten Marsch auf Asphalt in der prallen Sonne, anschließend den ganzen Tag Programm auf der Freilichtbühne im Park, kaum Schatten. Und tatsächlich kam eines der Kinder aus dem Juniororchester mit kompletter langer Skiunterwäsche unter der Uniform…

Kann schonmal passieren im schwedischen Winterfrühlingssommer, dass man den Wechsel der Jahreszeiten einfach so… pardon… verschwitzt.

PS: Auf der Facebookseite meiner Musikschule gibt es ein paar Bilder und ein Video aus Norwegen: Klick.

Kurztrip


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Heute so:

Zur Mittagszeit zu Hause los, Kaffeepause im Möbelhaus in Uddevalla, gegen 18:00 den minderjährigen Sohn des Kollegen beim Foo Fighters-Konzert in der Telenor-Arena in Oslo abliefern, ein paar Stunden mit dem Kollegen durch Oslo tingeln, spätabends den Sohn wieder abholen, zum Sonnenaufgang gegen 4.00 wieder zuhause sein.

Meine erste Reise nach der Hochzeit also mit dem Toastmaster – Hochzeitsreise mit Ehemann kann ja jeder :-)

Übermorgen fahre ich dann mit besagtem Kollegen für eine Woche nach Deutschland. 40 Teenager nehmen wir auch noch mit.

Hochzeitsreise mit Jonas muss warten.

Ein Fluss mit vielen Namen


An der schwedisch-norwegischen Grenze liegt der See Rogen, dem ein Fluss gleichen Namens entspringt und nach wildem Lauf durch die norwegische Wildnis in den Femundsee mündet. An dessen Südufer hatten wir nach unserer Wanderung auf den Städjan übernachtet und von nun an wollten wir diesem Fluss folgen. Zunächst begleitete er uns für ein paar Kilometer unter dem Namen Gløta, bis wir den See Isteren erreichten, von wo aus er als Isterfossen in den See Galtsjøen fließt.

Auf der anderen Seite dieses Sees liegt das beeindruckende Sølenmassiv, auf das wir noch gerne gekraxelt wären. Aber zum einen war das Wetter eher ungemütlich und Norwegen außerdem so teuer, das wir nicht auf Sonnenschein warten wollten.

Stattdessen ging es also weiter Richtung Süden, immer dem Fluss nach, der mittlerweile Femundselva hieß. Über vierzig Kilometer folgten wir auf Schotterpisten seinem Lauf, durch tief eingeschnittene Täler, vorbei an ruhigen Seen, hohen Bergen und donnernden Stromschnellen.

Geliebte Kinder haben viele Namen und so hieß unser Fluss irgendwann Trysilelva. Von nun an sahen wir leider immer weniger von ihm, denn wir hatten wieder eine breitere Straße erreicht, die eher autofreundlich als idyllisch verlief. Dafür bot sich uns in Trysil noch einmal die Möglichkeit, hoch bis an die Baumgrenze zu fahren. Die kahlen Liftspuren und Skipisten von Norwegens größtem Skigebiet ließen die nordische Hochgebirgsidylle aber nur von weitem erahnen und das menschenleere Høyfjellssenter (Hochgebirgszentrum) hatte den Charme einer verlassenen Goldgräberstadt. Hübsch waren lediglich die kleineren Ferienhäuser, die sich mit ihren Grasdächern wie Hobbithöhlen in den Hängen versteckten.

Wieder im Tal angekommen, wurde die Straße immer eintöniger. Die schroffen Berge verwandelten sich in sanfte Hügel, der Wald wurde dichter und vom Fluss war nur noch selten etwas zu sehen. Ein wenig Abwechslung bot sich lediglich direkt hinter der schwedischen Grenze: Hier nutzten so viele Norweger die günstigen Einkaufsmöglichkeiten auf schwedischer Seite, dass die Parkplätze des Örtchens mit dem treffenden Namen – Grensen – nicht ausreichten und wir uns durch die parkenden Autos hindurchschlängeln mussten; nach unzähligen Meilen über abgeschiedene Sträßchen ein sehr ungewohnter Anblick. Von nun an trug unser Fluss seinen bekanntesten Namen: Klarälven – als Flusssystem zusammen mit dem Göta älv Schwedens längster Fluss.

Bald war auch die letzte Stromschnelle passiert und in großen Mäanderschlingen floss der Strom nur noch träge seiner Mündung in den Vänern entgegen. So träge, dass sich Touristen Flöße aus Baumstämmen zusammenknoten, mit denen sie sich dann gemächlich mehrere Tage lang den Fluss hinabtreiben lassen. Da wir aber noch ein wenig die värmländischen Seenlandschaft genießen wollten, verließen wir irgendwann endgültig das Tal. Ein letztes Mal konnten wir den Klarälven von einem Aussichtsturm auf dem Värmullsåsen südlich von Hagfors erspähen.

Wie ich einmal den norwegischen Nationalfeiertag rettete


Hätte mich vor zwei Jahren, wenige Monate vor unserem Umzug nach Schweden bei der Europa-Arbeitsberatung jemand gefragt, wo ich mich in zwei Jahren sehe, hätte ich wohl eine Sache niemals geantwortet: Ich marschiere in Uniform einer Fahne hinterher und spiele eine Nationalhymne. Doch manchmal geht das Leben eben krumme Wege und dann marschiert man eben auch mal hinterher. Dem Leben. Oder auch einer Flagge.


Die Vorgeschichte

Aber von vorne. Meine Musikschule verfügt über ein gut gebuchtes sinfonisches Blasorchester, das bei Bedarf auch paradiert. Als Klavierlehrer hatte ich bisher mit dem Orchester nur marginal zu tun, aber mein Kollege, der das Orchester leitet, hat mich im Hinblick auf die bevorstehende Deutschlandreise des Orchesters überredet mitzuspielen. Eingeweihte wissen vielleicht, dass ich vor vielen Jahren mal Klarinette gespielt habe, aber leider leidet unser Orchester nicht an Klarinettenmangel, im Gegenteil. Wie also einen Pianisten sinnvoll in ein Blasorchester integrieren? Als Fahnenträger? Notenständer? Nein. Mein Kollege konnte sich jetzt einen langgehegten Wunsch erfüllen: ein Glockenspiel für sein Orchester! Zunächst sollte ich Lyra spielen, aber die 25 Kilo Instrument konnte ich nur entweder tragen oder bespielen, aber nicht beides gleichzeitig. So wurde es also ein Glockenspiel, das ich mit einem Tragegestell wie einen Bauchladen vor mir hertrage.

Szenenwechsel. Das Jugendorchester einer kleinen Kommune in Südnorwegen stellte im Frühjahr dieses Jahres seinen Betrieb wegen Mitgliedermangels ein. Das Festkommittee, das die Feierlichkeiten für den norwegischen Nationalfeiertag plante, stellte daraufhin fest: Nationalfeiertag ohne Musik? Undenkbar! So kam man auf die Idee, ein Orchester von auswärts einzukaufen, aber natürlich waren sämtliche norwegischen Orchester an diesem Tag ausgebucht. Auf verschlungenen Wegen landete die Anfrage vor drei Wochen schließlich bei uns. Als wir alle unsere Jugendlichen für einen Tag vom Unterricht befreit hatten und zusagten, ahnten wir noch nicht, welche Medienresonanz diese Reise mit sich ziehen würde.


Schwedisches und norwegisches Presseecho

Ein schwedisches Orchester marschiert am norwegischen Nationalfeiertag an der Spitze des traditionellen Umzuges? Das war manchen Norwegern nicht geheuer und die norwegische (Klatsch)Presse blies die Sache kräftig auf:

Aftenposten
„Hilfe aus Schweden für die die Nationalhymne am 17. Mai – ‚Ich hoffe, wir werden nicht mit Tomaten beworfen‘ sagt der Dirigent“

Auch schwedische Medien witterten einen Skandal und sparten nicht an Spott:

"Schweden helfen Norwegern beim Feiern"
„Schweden helfen Norwegern beim Feiern“ (Borås Tidning)

Aber eigentlich war es doch eher ein Skandälchen, welches es in Ermangelung noch weltbewegenderer Ereignisse in den Ticker der größten schwedischen Presseagentur TT schaffte und damit auch ins schwedische Pendant zur Bildzeitung:

Norrmännen rasar
„Die Norweger sind wütend: Schwedisches Orchester am Nationaltag. Dirigent: ‚Mal sehen, ob wir es wagen können, dort hochzufahren'“

Das Hickhack, dass daraufhin einsetzte, erreichte schließlich seinen Höhepunkt, als das norwegische Staatsfernsehen NRK letzten Montag  in unserer Orchesterprobe auftauchte, flankiert von diversen schwedischen Reportern, die in erster Linie darüber berichteten, dass das norwegische Staatsfernsehen über ein schwedisches Musikschulorchester berichtete. Metaberichterstattung. Kann ich auch :-)


Im norwegischen Fernsehen

Das nicht mal einminütige Filmchen, das aus 2,5 Stunden Bildmaterial entstanden ist, kann man noch ein paar Tage lang auf nrk.no ansehen. Wir proben hier gerade Norwegens inoffizielle Nationalhymne Norge i rødt, hvitt og blått und unser Dirigent verkündet süffisant grinsend, dass das Stück von einem Schweden geschrieben wurde. Und ja – das Plingpling bin ich und ja, mein Kopf ist die letzten 15 Sekunden im Umfang von einem halben Zentimeter zu sehen.


Der große Tag

Schließlich war der große Tag da: der Syttende Mai. Nach einer kurzen Nacht mit Matratzenlager in einer Grundschule versammelten wir uns um 6.30 zum Morgenappell zur Generalprobe auf dem Schulhof und probten ein letztes Mal unsere Marschaufstellung, das korrekte Anlegen der Waffe des Instruments und natürlich Ja vi elsker dette landet, den Gammel Jegermarsj und ähnlich lyrische Stücke, während der Hausmeister die Flagge hisste. Morgenstimmung in Norwegen hatte ich mir bisher immer ganz anders vorgestellt…

Nach dem Frühstück holte uns dann der Bürgermeister persönlich ab und mit unserem Tourbus ging’s zum ersten der drei Umzüge, die wir anführten. Der Ablauf war im Großen und Ganzen jedes Mal der gleiche: Begrüßung und Nationalhymne an Kirche/Schule/Sportplatz, Abmarsch, Zwischenstopp am lokalen Kriegerdenkmal mit Kranzniederlegung, Schweigeminute und Nationalhymne, danach Weitermarsch zu Schule/Sportplatz/Kirche. Dort Ansprache, Nationalhymne und Blümchenübergabe, ein Stück Torte auf die Faust, zurück in den Bus und weiter zum nächsten Umzug. Ein strammes Programm also und leider hatte ich kaum Zeit zum Fotografieren. Aber natürlich war die Lokalzeitung vor Ort:

Weiter zur Bildergalerie des Tønstads Blad
Quelle: Tønstads Blad, Fotograf: Peder Gjersøe (Aufs Bild klicken um weitere Bilder anzusehen.)

Nicht nur der Zeitmangel verhinderte das Fotografieren, auch die Uniformetikette verbietet das Tragen uniformfremder Gegenstände am Körper. Aber ich oller Rebell und Fotonarr konnte es mir nicht verkneifen und hatte trotzdem meine kleine Kamera unter der Uniform versteckt:

Aller negativen Berichterstattung zum Trotz wurden wir sehr freundlich empfangen und zwischen den allgegenwärtigen Norge, hurra!-Rufen hörte man sogar hier und dort ein Heja Sverige! und viele Menschen bedankten sich auch hinterher noch persönlich bei uns, dass wir die lange Reise auf uns genommen hätten, um ihren Nationalfeiertag zu retten.


Als Deutsche in schwedischer Uniform in Norwegen

Und wie fühlt man sich so, als Deutsche, in schwedischer Uniform hinter einer norwegischen Flagge marschierend? Selbst wenn man mal von dem ganzen militärischen Klimbim absieht und ignoriert, dass Märsche, aus denen der Nationalstolz quillt wie Mayonnaise aus schwedischen Krabbenbrötchen, es wohl nicht mehr in meine persönliche Hitliste schaffen werden und wenn man weiterhin darüber hinwegsieht, dass ich im Geschichtsunterricht soviele Guido-Knopp-Dokus sehen musste, dass der Klang marschierender Schuhe in meinem Gehirn unweigerlich mit wackeligen Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Nürnberger Parteitage verknüpft ist, dann kann ich sagen, dass aus mir kein ordentlicher Patriot mehr werden wird, egal in welchem Land ich lebe.

Ich fühlte mich nämlich gestern vor allem als – Europäer. Und das norwegische Triumphgemüse in rødt, hvitt og blått macht sich ganz ausgezeichnet auf unserem Frühstückstisch.

Norwegischer Blumenstrauß

Nachtrag: Hier noch eine englischsprachige Quelle aus Norwegen: Sweden ‘saves’ Norway 17 May following local row

4. Dezember 2012 – Betlehems stjärna


Keine Ahnung, was uns diese zwei Gestalten mit ihrer Interpretation des Weihnachtsklassikers Betlehems stjärna/Gläns över sjö och strand von Alice Tegnér sagen wollen. An der Säge: Der norwegische Musiker Andreas Fliflet. An der Orgel: Sein rätselhafter Zwilling.

Ein Tag für die Einwanderer


Fast alle Länder der Welt haben einen Nationalfeiertag. Meistens wird die Staatsgründung oder Unabhängigkeit des Landes gefeiert, manchmal auch das Ende eines Krieges oder andere besondere Ereignisse. Auch Schweden hat so einen Tag, den 6. Juni. Im Jahr 1523 wurde Gustav Vasa an diesem Tag zum schwedischen König gewählt. Dies beendete die Kalmarer Union, die Vereinigung Schwedens, Norwegens und Dänemarks und seither ist Schweden ein eigenständiger Staat.

Obwohl das gefeierte Ereignis schon weit zurück liegt, gibt es den Nationalfeiertag noch nicht sehr lange. Seit 1916 wird der 6. Juni als Tag der schwedischen Flagge gefeiert, an dem aber nicht nicht viel mehr passierte, als dass die Flagge gehisst wurde. 1983 wurde er dann zum nationaldag erklärt, was aber an der Wahrnehmung nicht viel änderte – außer dem Namen war nämlich alles beim Alten geblieben. Erst 2005 wurde der nationaldag auch ein röd dag, also ein freier Tag, und seitdem wird er auch wirklich gefeiert. Zum Beispiel in Kungälv, wo wir bei Wind und Sonne der Parade und dem Hissen der Flagge zugesehen, die Nationalhymne mitgesungen und dem Kinderchor bei Idas Sommerlied zugehört haben.

Übrigens waren es vor allem Einwanderer, die sich darüber wunderten, dass der schwedische Nationalfeiertag gar nicht gefeiert wurde. Und so ist dieser Tag jetzt auch ein Tag der Einwanderer geworden, denn jeder neu eingebürgerte Schwede wird zu den Feierlichkeiten eingeladen und offiziell als Schwede willkommen geheißen.

Da wir schon einmal in Kungälv waren, haben wir auch gleich das schöne Wetter für einen Besuch in der Festung genutzt, die zwar häufig ihren Besitzer gewechselt hat, aber niemals durch Eroberung. Das sie heute eine Ruine ist, liegt nicht etwa an einem Krieg. Nachdem der Göta Älv kein Grenzfluss mehr war, wurde sie einfach nicht mehr benötigt und dem Verfall überlassen.