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Schülergespräch…


…am Freitag Nachmittag in der Unterwäscheabteilung bei H&M. Annika sucht das Weite.

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„Annika, am Freitag bin ich veckans talare – Redner der Woche!“ erzählt mir die Zweitklässlerin atemlos, als sie in meinen Unterrichtsraum stürmt, noch bevor sie ihre Jacke ausgezogen hat. „Aha,“ denke ich „und was habe ich damit zu tun?“ und mache ein neugieriges Gesicht.
„Jede Woche muss einer aus der Klasse fünf Minuten über irgendwas vor der Klasse reden. Die anderen machen immer alle was über ihre Haustiere, aber ich will was übers Klavierspielen erzählen.“ Das klingt vielversprechend.

Ich frage sie, ob sie sich schon überlegt hat, was sie da erzählen möchte. Ja hat sie, aber sie hat ihre Notizkärtchen nicht dabei, deswegen weiß sie jetzt nicht, was sie im Vortrag erzählen wird.
Was denn auf den Notizkärtchen draufsteht, möchte ich wissen und setze damit einen verbalen Wasserfall in Gang, der in dieser Ausführlichkeit bestimmt auf kein Notizkärtchen der Welt passen würde. Dass sie seit fast einem Jahr Klavier spielt, immer montags, dass sie dafür immer zu der anderen Schule geht, ganz allein!, dass ihre Eltern ihr dafür ein extra Buch gekauft haben, mit Noten drin und wenn die anderen dann fragen, was Noten sind, dann sag sie „das sind so Zeichen, so wie Englisch, nur für Musik“, dass sie zuhause ein elektrisches Klavier hat und am Wochenende bei der Oma ein Keyboard, dass in der anderen Schule zwei richtige Klavier stehen, ein hellbraunes und ein dunkelbraunes, dass ihr pianofröken Annika heißt und auch mit den Füßen Klavier spielen kann, dass sie selber schon zwei Konzerte gespielt hat auf einem großen schwarzen Klavier mit drei Beinen und sie da fastgarnichtnureinbisschen aufgeregt war und dass ihr Ziel ist, mal „alle Noten auf der ganzen Welt“ spielen zu können. (Den Rest habe ich leider vergessen, aber das waren die wichtigsten Punkte.)

Ach ja, und dann kommt natürlich noch das Keyboard von der Oma zum Einsatz, das sie am Freitag in die Schule mitnehmen darf und jetzt müssen wir endlich anfangen zu spielen, weil sie nämlich zwei neue Stücke geübt hat, die sie gar nicht als Hausaufgabe hatte und ich soll sagen, ob die richtig sind. An diesem Punkt der Unterrichtsstunde habe ich noch nicht viel mehr als „Hej!“ gesagt und eine Frage gestellt.

Als unsere 20 Minuten, die bei ihr meist 30 Minuten werden, vorüber sind, sieht sie an meiner Tür ein Plakat für den „Abend der offenen Tür“ nächste Woche, bei uns läuft gerade die Anmeldephase fürs nächste Schuljahr. Ob sie bei ihrem Vortrag auch sagen dürfe, wie ich heiße und meine Telefonnummer sagen dürfe. Klar darf sie das, meine Dienstnummer steht auf unserer Homepage. „Aber noch besser wäre ja, wenn die gleich zum Ausprobieren zu dir kommen würden. Weil… sonst wissen die ja gar nicht wieviel Spaß Klavierspielen macht!“

(Wenn sie ihr Referat am Freitag vor der Klasse mit dem gleichen Enthusiasmus hält wie heute bei mir, dann muss ich mir keine Gedanken machen, ob ich im Herbst genügend Schüler habe.)

Einwanderer unter sich


Neulich hatte ich ein lustiges Gespräch mit zwei ungefähr zehn Jahre alten Schülerinnen, die eine stammt aus Vietnam, die andere aus dem Iran und beide sprechen völlig akzentfrei Schwedisch.

– Bist du eigentlich Schwede?
– Ne, ich komme aus Deutschland.
– Echt? Das haben wir gar nicht gemerkt. Wie lange wohnst du denn schon in Schweden?
– Seit gut drei Jahren.
– Wie lustig, genau so lange wie wir. Aber sag mal, warum sprichst du denn dann so gut Schwedisch, man hört ja kaum, dass du nicht aus Schweden bist.
– Und euch hört man es überhaupt nicht an…
– Ja, aber…