Schlagwort-Archive: schwedische Volksmusik

16. Dezember 2015 – Erkennen Sie die Melodie?


Würde heute jemand eine Fernsehsendung anschauen, die Erkennen Sie die Melodie heißt? Die Show gab es wirklich, sie lief im ZDF von 1969 bis 1985 – allerdings mit ziemlich langen Unterbrechungen – und in Schweden funktioniert das Prinzip Musikstück-erratenals-Fernsehshow sogar heute noch, wenn auch unter dem geringfügig sexierem Namen Doobidoo.

Heute dürft ihr euch auch mal daran probieren, und so lautet die Frage des Tages: erkennen Sie die Melodie?

Und, wer hat’s erkannt? Gar nicht so leicht, selbst die vertrautesten Melodien wiederzuerkennen, wenn alles dem etwas krummen 3/4-Takt der Polska untergeordnet wird…

Bei uns in Schweden läuft der Film übrigens bereits heute an.

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5. Dezember 2015 – Bach på Svenska


Heute gibt es wieder Musik in einer eher ungewohnten Version. Diesmal allerdings wirklich hörenswert, versprochen! Denn im folgenden Video interpretieren die beiden Spielleute und Barockmusiker Lisa Rydberg und Gunnar Idenstam Johann Sebastian Bach auf sehr schwedische Weise. Unbedingt die ganze Playlist durchhören!

Blogartikel, die leider nie geschrieben wurden


Der Sommer in Schweden ist kurz, aber dafür umso intensiver. Das merke ich gerade vor allem daran, dass wir jeden Tag so viel erleben und täglich einen Blogartikel schreiben könnten, gleichzeitig aber so im Erlebnisrausch sind, dass die Zeit noch nicht einmal dafür reicht. Was vor zwei Wochen geschah, liegt schon wieder so weit weg, als wäre es ein halbes Jahr, weil seither so vieles passiert ist…

Ein dreitägiger Kurztrip mit unserem Bus kurz vor Mittsommer: Gränna am Vättern und die Insel Visingsö im Vättern. Zwei Tage Inselleben im halben Tempo. Traumhaft und unbedingt empfehlenswert. Ein Artikel über das Zuckerbäckerstädtchen Gränna und seine Zahnärzte und ein Artikel über die Künstlerklausen auf Visingsö.

Mittsommer: Das erste Mal mit schwedischen Freunden. Wunderbar. Einen Artikel wert.

Fünftägige Orchesterreise mit unserem Jugendorchester nach Deutschland: Ein Artikel über die grauslige Ferienanlage in Weissenhäuser Strand an der Ostsee. Ein Artikel über das zweifelhafte Vergnügen zu Deutschlands ältestem (und angeblich größtem) Totengilde- und Schützenfest in Oldenburg/Holstein eingeladen zu sein und die Reaktion von Schweden, denen während eines Umzuges Schnaps und Bier gratis und in rauhen Mengen vor die Nase gehalten werden. Ein Artikel über meinen Kulturschock in Deutschland – keine Nummern ziehen und das seltsame Erlebnis, dass Deutsche mir auf gebrochenem Englisch antworten, wenn ich auf Deutsch (trotz allem: immer noch fließend und akzentfrei) nach dem Weg frage. Ein Artikel mit meinen Fotoexperimenten im Hansa-Park.

Ähm… ja. Solange ich nicht unter die hauptberuflichen Blogger gehe, entgehen euch leider all diese im Kopf vorformulierten Artikel.

Seit letztem Samstag sind wir wieder mit dem Bus auf Tour. Altmodisch wie wir sind, besitzen wir weder Smartphone noch Surfplatte – Internetzugang haben wir daher nur sporadisch, wenn wir auf Campingplätze gehen. In nächster Zeit wird es hier also ruhig bleiben, auch wenn in meinem Kopf bereits die nächsten Artikel fertig sind: Über das Wohnhaus des Malers Carl Larsson in Sundborn, die Grubenstadt Falun, das einwöchige Volksmusikfestival Musik vid Siljan (mein Geburtstagsgeschenk von Jonas!) und über ein unglaublich stimmungsvolles Konzert morgens um sieben auf einer Almhütte, wo der Gesang ein Kuhherde anlockte und Ziegen zwischen den Zuhörern spazierten, darüber, wie wir versehentlich im Garten eines erweckten Baptistenmissionars landeten und in seiner Kirche duschten oder über die Schwierigkeiten, in Mittelschweden einen neuen Fahrradständer für einen fast 20 Jahre alten VW-Bus zu kriegen, wenn einem beim rückwärts Ausparken hinterlistig ein Baum vor’s Auto springt, der da vorher nicht war.

Aber um das alles mit euch Lesern hier im Blog zu teilen, müsste ich jetzt Urlaub vom Urlaub nehmen – oder mich technisch mal aufrüsten. Aber auf beides habe ich vorerst herzlich wenig Lust. Ich muss jetzt nämlich ganz dringend nochmal eine Runde in der Abendsonne schwimmen gehen, auch wenn es schon elf ist.

Nationaltag


Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich bei unseren Lesern aus dem regengeplagten Mitteleuropa unbeliebt mache… Wir hatten gestern mal wieder so einen Bilderbuchtag. Arbeitsfrei, weil Nationaltag und Sonne, Sonne, Sonne.

23 Grad

Flaggen und Nationalhymnen hatte ich dieses Jahr allerdings bereits ausreichend, deswegen war uns heute nicht nach irgendwelchen Großveranstaltungen, sondern nach einer kleinen Wanderung – seitdem ich meine Kamera habe, wird das irgendwie nichts mehr mit größeren Touren. Dass es da aber auch immer überall so schön blühen und summen muss…

Am Wegesrand

Inzwischen sind wir dann auch so weit, dass ich nicht mehr unerkannt mit der Kamera durchs Gras robben kann. Wie ich so auf der Jagd nach dem Motiv „Blaue Libelle an Margerite“ war, rief es plötzlich von hinten „Aah Sommerzeit… hier wachsen ja pianofröken im Gras!“ Bis ich artig die Schülereltern begrüßt hatte, die das „Klavierfräulein“ ihrer Töchter im Gras entdeckt hatten, war dann auch die Libelle weg, hmpf…

Margeriten

Aber später hab ich sie dann doch noch erwischt:

Blaue Libelle

Am Fluss entlang

Wir mussten Viskan, Ätran, Spyan und Gallan oder wie sie auch immer hießen, lernen, vier kolossale Flüsse, die das südschwedische Hochland entwässerten.

aus Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula

Einer dieser vier kolossalen Flüsse, der Viskan, fließt vor unserer Haustür vorbei und die seit Wochen anhaltende Trockenheit hat ihre Spuren hinterlassen – ein wenig von dem Wasser, das Deutschland gerade zu viel hat, fehlt hier:

Viskan

An der alten Mühle

Wenn man dem Flusslauf etwa zwei Kilometer aufwärts folgt, kommt man zu einer kleinen, alten Mühle, die vom örtlichen Heimatverein gepflegt wird und an Sommerwochenenden geöffnet hat.

Zur Feier des Tages spielten dort Spielmannsleute mit ihren Schlüsselfideln (schwed: Nyckelharpa). Mit dem, was in Deutschland so unter „Volksmusik“ verkauft wird, kann man mich ja jagen, aber mit schwedischem Folk – und dann noch auf traditionellen Instrumenten! – sieht das ganz anders aus.

Hinterher kamen wir noch ein wenig mit den Musikern ins Gespräch und wie es der Zufall will, brauchen sie gerade einen Tastendrücker für ihr tragbares Harmonium. Erwähnte ich schon, dass ich seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Folkensemble bin, es aber bisher immer am Instrument scheiterte…? Wenn ich wolle, dürfe ich aber natürlich auch mit Nyckelharpa anfangen, sagte die Chefin, sie haben auch Leihinstrumente. Dann weiß ich also auch, was ich ab Herbst an Sonntagabenden machen werde…

Am und im See

Nach unserer kleinen Wanderung mussten wir uns dringend abkühlen und tauschten Kamera gegen Wasserthermometer. Wir erinnern uns: letzten Freitag waren es noch 15°C. Gestern, nur 6 Tage später, zeigte das Thermometer bereits 20°C an der Oberfläche und 18°C in Armlängentiefe. Wir waren etwa zehn Minuten im Wasser und hätten es auch noch länger ausgehalten. Nur etwa einen Monat, nachdem der Frühling und das erste Grün endlich kamen, können wir also konstatieren, dass jetzt Sommer ist. Unglaublich, wie schnell das ging…