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Herbstbild


Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Zwei große Spaziergänge an diesem wunderschönen Herbsttag, einer im Wald, einer am See. Die Natur ist ungewöhnlich spät dieses Jahr, die letzten Jahre war es bereits Mitte September so bunt. Diese Woche hatten wir die ersten Nachtfröste, auch das ist spät. Doch der Winter naht, und damit man das nicht vergisst, stellen die Schweden jetzt wieder überall orange Stangen an den Straßenrand… Aber bis es soweit ist, versuchen wir im milden Strahl der Sonne so viel Licht wie möglich zu tanken.

Morgondopp


Seit Oktober gehöre ich zu den extremen Frühaufstehern. Ok, nur einmal die Woche und als ich noch zur Schule ging, wäre 6:10 schon fast „ausschlafen“ gewesen, aber trotzdem. 6.10 Uhr, das ist definitiv vor dem Aufwachen.

Als Angestellte der Kommune können wir diverse Vergünstigungen und Angebote wahrnehmen, die unter dem Stichwort „friskvård“ – wörtlich: „Gesundheitspflege“ – zusammengefasst werden. Darunter finden sich Opernbesuche, Eintritt in Gartenmessen, Kneipenquizabende oder medizinische Fußpflege, aber natürlich auch jede Menge mehr oder weniger sportliche Angebote von Fitnesscenter über Skiausfahrten bis Yogakloster, jeder wie er mag. Auch eine kostenlose Jahreskarte für sämtliche Schwimm- und Spaßbäder der Kommune gehört dazu, Sauna inklusive.

Da ich meinen Plan „ich höre nicht auf, täglich im See zu baden, bis er zufriert“, den ich jeden Sommer fasse, traditionell im September auf „… zweimal die Woche…“ reduziere und spätestens im Oktober endgültig verwerfe, ist so eine Jahreskarte zumindest von Oktober bis Mai eine feine Sache.

Zusätzlich zur Jahreskarte werden auch Schwimmkurse zu sehr moderaten Preisen angeboten und so habe ich mich im Herbst mal spaßeshalber für „Kraulen für Fortgeschrittene“ angemeldet und nach Weihnachten gleich den Anschlusskurs gebucht. Da ja der soziale Aspekt nicht zu kurz kommen darf, war neben den 10x40min Trainingseinheiten auch jeweils das Frühstücksbuffet nach dem Training im Schwimmbadcafé in den 20 Euro Kursgebühr inbegriffen. So billig kann ich kaum zu Hause frühstücken, geschweige denn mich vorher einen knappen Kilometer professionell durchs Wasser scheuchen lassen.

Da der gemeine kommunale Angestellte zwischen 8 und 9 irgendwann wieder an seinem Schreibtisch sitzen, vor seiner Klasse stehen oder seine Kehrmaschine durch die Stadt lenken muss, beginnt der Kurs bereits um 6.45 Uhr, das ist mitten in der Nacht. Oder war es zumindest bis letzte Woche. Denn als ich heute um zwanzig nach sechs aus dem Haus ging, war es draußen nicht mehr schwarz, sondern schon dunkelblau. Und während ich so meine Bahnen abzählte, färbte sich der Himmel allmählich knallerosa. Das Schwimmbad ist zu drei Seiten hin verglast. Fast – aber nur fast – ein Ersatz für meinen Morgondopp im See. Bald wieder…

Schon Frühling?


Während in Deutschland zum Teil noch tiefster Winter herrscht und die Schneedecke nicht einmal daran denkt zu schmilzen, kann man bei uns schon Frühlingsgefühle bekommen. Überhaupt war es dieses Jahr noch überhaupt nicht richtig kalt und Schnee hatten wir vielleicht zwei Wochen lang. Diese Woche hat mehrfach die Sonne geschienen und gestern war es so warm, dass wir uns einfach auf den Vogelturm stellen und in die Sonne gucken konnten, ohne zu frieren. Dabei sind uns dann auch noch ein paar Vögel und andere schöne Motive vor die Kamera geflogen.

Da es in der Sonne so schön war, entschieden wir uns gegen einen längeren Spaziergang, denn dann geht man hauptsächlich durch schattigen Wald – oder langweilige Wohngebiete. Stattdessen zogen wir nur bis zum Badplatz weiter und setzten uns wieder in die Sonne. Zwischendurch musste ich allerdings doch testen, ob das Eis am Ufer noch trägt.

Jetzt wollen wir mal sehen, was das Wetter die nächsten Tage macht. Eigentlich ist es noch deutlich zu früh für Frühling, aber an einen späten Wintereinbruch glauben wir mittlerweile auch nicht mehr.

Nebel


Als wir gestern aufwachten, wollten wir unseren Augen zuerst gar nicht trauen: Der Himmel war tatsächlich hellblau und statt einer dicken Wolkendecke wie die letzten Wochen lag draußen nur Bodennebel, der schon begonnen hatte, sich zu heben. Außerdem hatte es zum ersten Mal in diesem Jahr gefroren. Nach dem Frühstück ging es daher schnell raus, um die wunderschöne Stimmung zu genießen.

Statt sich zu heben. wurde der Nebel am See aber erst einmal dichter. So dicht, dass man das andere Ufer nicht einmal mehr erahnen konnte. Die Farben wurden so bleich, dass uns die stimmungsvollen Bilder, die wir am Badplatz gemacht haben, in schwarz-weiß viel besser gefallen.

Als wir hier mit dem Fotografieren fertig waren hatte es wieder etwas aufgeklart. Wir mussten aber leider zurück nach hause, denn ich hatte am Nachmittag ein Konzert mit der Musikschule. Vorher kamen wir noch an der Bahnlinie und bei unserer Nachbarin vorbei, wo Nebel und Sonne eine tolle Atmosphäre erzeugten.

Vor’m Frühstück


Auf schwedisch gibt es das schöne Wort morgondopp, wörtlich soviel wie „Eintauchen am Morgen“, aber ein dopp ist auch, wenn man einen Keks in Kaffee tunkt. Und wie ein Keks im Kaffee sauge ich die leckere Morgenluft, das beinahe ohrenbetäubende Gezwitscher, das Knirschen meiner Schuhe auf dem Waldboden und die üppige Blumenpracht überall in mich auf. Auf meinem Weg zum morgondopp.

Wider Erwarten hat es nicht geklirrt, als ich reingesprungen bin.

Der Winter kommt


Nach dem Hochwasser von letzter Woche kam jetzt endlich die Kälte. Naja… Kälte… ein paar harmlose Minusgrade waren es. Aber es reichte, um unsere Lieblingswege wieder begehbar zu machen.

Zum Vogelturm

Vom Bohlensteg durch „unser“ Naturschutzgebiet lassen sich ganz fantastische Eisformationen fotografieren, die sich an überschwemmten Baumstämmen und Gräsern bilden. Die in Farbe recht flachen Bilder gewinnen in schwarz-weiß an Struktur.

Die Wasserstände sind seit letzter Woche wieder deutlich gesunken, was dazu führt, dass jetzt an vielen Bäumen die Eisplatten wie Baumpilze festgefroren sind.

Unser Haussee beginnt auch endlich langsam vom Ufer her zuzufrieren, aber der Wind verlangsamt den Prozess.

Ob wir diesen Winter wohl noch mit den Schlittschuhen unterwegs sein werden wie letztes Jahr? Erst mal genießen wir das Abendlicht…

Wir warten aufs Christkind…


Heute ist wohl der schwedischste aller Tage: Midsommarafton, der Vorabend des Mittsommertages. Wie an Weihnachten auch, finden die hauptsächlichen Festivitäten bereits am Vorabend des eigentlichen Festtages statt und dem Ganzen gehen nicht unerhebliche Vorbereitungen voraus, die sich ein bisschen anfühlen wie Weihnachten. Wie warten aufs Christkind, bloß ohne Geschenke.
Nun sind wir ja noch nicht lange genug in Schweden, um ernsthaft von eigenen Traditionen sprechen zu können, aber ich finde, wir machen uns an unserem dritten Mittsommer in Schweden nicht schlecht. Der Vogellärm weckte mich heute morgen um halb sieben und mit Handtuch, Eimer und Rosenschere bewaffnet huschte ich schnell nach draußen. Mein Weg führte mich zuerst an den See, wo ich den Tag mit einem morgondopp begann. Das Wasser hat inzwischen deutlich über 20 Grad, war aber immer noch kälter als die Luft, die im Morgendunst beinahe schwül war. Ich war ganz alleine im spiegelglatten, klaren See, und der „Krach“ aus dem Vogelschutzgebiet, das zwischen unserem Haus und dem See liegt, schirmte alle anderen Geräusche ab.

Nach einer guten Viertelstunde Geplantsche füllte ich den Eimer zur Hälfte und machte mich auf den Rückweg, allerdings nahm ich jetzt den Umweg über die Straße, weil man im Naturschutzgebiet ja keine Pflanzen pflücken darf und weil am Straßenrand ohnehin die schöneren Lupinen wachsen. Hier das Ergebnis:

Blumen

Unser Frühstück bestand stilecht aus schwedischen Erdbeeren, und danach musste ich mich erstmal auf der Terrasse erholen und die letzten Sonnenstrahlen genießen, denn traditionsgemäß regnet es an Mittsommer spätestens dann, wenn das Dorf um die majstång, die Mittsommerstange, versammelt ist. Wenn ich jetzt so rausschaue, haben wir heute nachmittag auch wirklich gute Chancen auf ein ordentliches Mittsommergewitter.

Bevor wir uns nachher aufs Fahrrad schwingen (Auto wäre blöd an einem Tag wie heute, selbst wenn’s regnet) um den längsten Tag des Jahres zu feiern, indem wir wie Frösche quakend um die majstång hopsen, muss ich noch meinen midsommarkrans fertig machen, deswegen bin ich ja schließlich heute morgen so früh aufgestanden. Noch sieht der Kranz nämlich recht armselig aus:

Blätterkrans

Heute nachmittag werden wir dann also am Nachbarsee zuschauen, wie die Majstång aufgestellt wird und Erdbeertorte essen. Ähnlich wie letztes und vorletztes Jahr also. Neu ist dieses Jahr, dass wir auch das anschließende F(ressf)est, das traditionellerweise im Kreise der Familie und enger Freunde begangen wird, miterleben werden, denn wir sind zu einem Kollegen/Freund nach Hause eingeladen, die kürzeste Nacht des Jahres mit viel eingelegtem Hering und natürlich snaps zu feiern…

Wochenend und (kein) Sonnenschein


Pünktlich zum Wochenende hat sich der Himmel dann auch wieder zugezogen, nachdem er sich die ganze Woche über wunderbar blau gehalten hatte… na toll! Hoffen wir mal, dass der schwedische Wetterdienst recht hat und dass es morgen wieder aufklart.

Dann nutze ich die Zeit jetzt halt dafür, einige Fotos vom letzten Sonntag online zu stellen, als uns die gefühlt ersten Sonnenstrahlen des Jahres nach draußen lockten. Da haben wir nämlich entdeckt, dass sich unser Vogelturm ganz ausgezeichnet zum Beobachten von Vögeln eignet – welche Überraschung – und um Menschen bei diversen Aktivitäten auf dem Eis zuzuschauen.

Frei nach Matthias Claudius


Am Sonntag saßen wir etwas antriebslos auf dem Sofa und überlegten, ob man vielleicht mal rausgehen sollte. Aber der graue Himmel konnte uns irgendwie nicht überzeugen und so kamen wir nicht weiter, als über Nachteile der Draußen-Möglichkeiten (Wandern: Vereiste Wege. Langlaufen: Eisige Loipen. Schlittschuhlaufen: Schnee auf dem See.) zu diskutieren…

Bis plötzlich ein kleiner Sonnenstrahl ins Zimmer lugte! Ich glaube, so schnell waren wir diesen Winter selten vor der Tür. Als wir dann gestern vom Chor nach Hause kamen, haben wir uns schnell die Kamera geschnappt und sind zum Vogelturm gelaufen. Eine so helle Nacht habe ich noch nicht oft gesehen, wir konnten einfach ohne jegliches künstliche Licht durch das kleine Wäldchen zum See wandern.