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Die Ersten der Saison


Am Dienstag habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Aber sie waren nicht schön. Ziemlich matschig, irgendwie schon fast verfault. Und teuer, so richtig. Umgerechnet fast fünf Euro. Ich hab sie links liegen gelassen und bin einfach weiter gegangen. Heute konnte ich das nicht mehr. Sie waren immer noch teuer, fast vier Euro pro Pfund, aber wunderschön, klein und rot, und geduftet haben sie.

Frisch und fotogen

Erdbeeren benötigen zum Reifen zweierlei: Licht und Wärme. Wärme macht sie süß, groß und rot, Licht macht sie aromatisch. Daher sind spanische Treibhauserdbeeren riesige Wasserballons, während deutsche nach viel mehr schmecken. Ich habe das selbst mal im direkten Vergleich erlebt, als ich mit einem Pfund Erdbeeren aus England auf die Fähre stieg und bei der Ankunft ein Pfund französische kaufte: Auf der Insel waren sie etwas säuerlicher, aber sehr aromatisch, die französischen hatten nicht so viel Aroma, dafür waren sie süßer.

Serviervorschlag – warum sollte man nicht gesundes Obst mit viel Sahne ausgleichen?

Die Rechnung ist also eigentlich einfach: Je weiter nördlich die Erdbeere wächst, desto mehr Licht bekommt sie, denn obwohl die Tage länger sind sorgen die niedrigeren Temperaturen für ein langsameres Reifen. Deshalb sind skandinavische Erdbeeren angeblich so verdammt lecker. Und das werden wir gleich mal ausprobieren.

Das improvisierte Fotostudio – was wohl die Nachbarn jetzt denken?

13. Dezember 2011 – Luciasången


Ok, ich gebe zu, eine große Überraschung ist das heutige Türchen nicht. Es ist der 13. Dezember – Luciatag – und wir haben ein das Lucialied. Die Feierlichkeiten rund um das Luciafest gehören zu Schweden wie köttbullar, rote Häuser und das systembolaget (der staatliche Alkoholmonopolist).

Im julianischen Kalender fiel die Wintersonnenwende auf den 13. Dezember – ein Umstand, der uns so schöne Bauernregeln wie „An Sankt Lucia ist der Abend dem Morgen nah“ und „Sankt Luzen tut den Tag stutzen“ gegeben hat. Wie andere weihnachtliche Bräuche – Weihnachtsbaum, Tannengrün, Adventskranz… – sind daher auch viele der schwedischen Luciatraditionen auf heidnische Vorgänger zurückzuführen. Es geht also im Kern weniger um das Gedenken der Märtyrerin Lucia von Syrakus, sondern eher um die Feier der längsten Nacht des Jahres: Ab jetzt werden die Tage wieder länger und das bedeutet, dass auch der Sommer wiederkehrt.

Die wohl bekanntesten Zutaten der Lucia-Feierlichkeiten, das Tragen weißer Gewänder und Kerzen, stammen aus Westschweden und sind erstmals im 18. Jahrhundert belegt. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie auch in anderen Teilen des Landes bekannt, als man die westschwedischen Tradition in Skansen einführte, um sie der Nachwelt zu bewahren. Spätestens als dann 1927 zum ersten Mal eine Stockholmer Zeitung eine Lucia wählen ließ, die den Kerzenkranz im Haar tragen und den Lucia-Zug anführen sollte, hatte sich die Feier des Luciatags endgültig durchgesetzt.

Ursprünglich vor allem in Schweden beheimatet, wird der Luciatag heute im ganzen skandinavischen Kulturraum gefeiert – und deshalb gibt es auch diese finnische Version vom Luciasång (Lucialied):

Pyhä Lucia

Taivaalla tähtivyö
kirkkaana loistaa,
viestiä jouluyön
tuikkeensa toistaa.
Metsiin jo Pohjolan
vaipan luo hanki,
ja maa on valkean
verhonsa vanki.
|: Taivainen kirkkaus,
riemuisa julistus.
Kynttilät syttyy,
kynttilät syttyy. ­:|

Kiteet luo helmivyön
valkoiseen kaapuun.
Kätköstä talviyön
luoksemme saapuu.

Sankta lucia ljusklara hägring
Sprid i vår vinternatt glans av din fägring
|: Drömmar med vinge sus under oss sia
Tänd dina vita ljus sankta lucia. ­:|