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Zeitreise mit ohne Spülmaschine


„Ich fühl mich gleich 10 Jahre jünger, wieder wie ein Student!“ sage ich zu Jonas.
„Ich fühl mich wie beim Campingurlaub!“ antwortet Jonas.
Doch weder Verjüngungskur noch das plötzliche Urlaubsfeeling lassen uns besonders fröhlich dreingucken.

Wir stehen Seite an Seite an der Spüle, der eine mit Spülbürste bis zu den Ellenbogen im Schlabberwasser, rechts ein Berg mit dreckigem Geschirr, links tropft das saubere Geschirr ab, die andere mit Geschirrhandtuch bewaffnet.

Die Spülmaschine ist kaputt. Sie lässt sich anstellen, brummt ein bisschen schlechtgelaunt und dann blinkt hektisch ein rotes Warnlämpchen und verlangt nach einem Techniker.

Die Maschine ist 6 Jahre alt; alt genug, dass sie keine Garantie mehr hat, aber eigentlich noch nicht alt genug, um schon den Geist aufzugeben. Finden wir jedenfalls.

Wir probieren also erst mal die Standardmaßnahmen durch: alle Siebe reinigen, gucken ob die Zu- und Ablaufschläuche alle frei sind, Stecker raus und wieder rein, einmal die Maschine unter der Arbeitsplatte vorziehen und fachmännisch feststellen, dass man keine Ahnung hat. Ergebnis: nüscht.

Also die Servicenummer des Herstellers aus der Bedienungsanleitung anrufen, ist ja immerhin eine Markenmaschine deutscher Herkunft. Joa… in drei Wochen könnte mal wer vorbeikommen, kostet 1000 Kronen, nur fürs Kommen und Gucken. Seufz. Wenn dann Ersatzteile bestellt werden müssten, kommen weitere Kosten dazu: für die Teile, weitere 1000 Kronen für einen Zweitbesuch zum Einbauen… billig wird das nicht.

Und mindestens drei weitere Wochen das Studenten-Urlaubsfeeling des Von-Hand-Spülens. Hmpf.

Jonas fängt an, nach neuen Spülmaschinen zu googeln.

Zufällig stößt er bei der Suche auf einen weiteren Weißwarentechniker in Borås und ruft ohne große Hoffnung mal an. 600 Kronen für eine Erstkonsultation am Folgetag. Now we’re talking!

Exakt zur verabredeten Uhrzeit am nächsten Vormittag steht ein Mann mit Werkzeugkasten vor der Tür. Er lässt sich erstmal erklären, was das Problem ist, und will sich anschließend selbst davon überzeugen. Er drückt den Startknopf und die Maschine läuft, als wäre nie etwas gewesen. Ja, danke auch für diesen umgekehrten Vorführeffekt…. hmpf.

Er guckt uns grinsend an – was genau war nochmal das Problem? Peinliches Schweigen.

In breitestem Boråsdialekt mit finnischem Akzent erklärt er uns lachend, dass er einen Verdacht habe und dass wir ihn dennoch nicht umsonst geholt haben. Dass es jetzt funktioniere, liege vermutlich daran, dass die Maschine inzwischen trockengelegt sei, aber nach dem nächsten Spülgang werde das Problem wahrscheinlich wieder auftreten.

Gezielt guckt er nach drei Schrauben um eine Siebdichtung herum und siehe da, wir haben tatsächlich nicht nur eine, sondern gleich drei Schrauben locker. Das Problem ist in wenigen Sekunden behoben.

Seither läuft die Maschine wieder ohne Probleme und wir sind erfreulicherweise nur 600 Kronen ärmer. Und das Ich-bin-Student-und-spüle-von-Hand-Feeling wieder los.