Schlagwort-Archive: Statistiska centralbyrån

Unnützes Partywissen über Schweden: Autos


Das Auto der Zukunft?

Schweden ist ein Autoland. Das ist auch verständlich, lebt doch ein großer Teil der Bevölkerung fernab von Straßen, U- und Eisenbahn und häufig kommt auch der Bus nur zweimal am Tag – wenn überhaupt. Die großen Distanzen auf dem Land tun ihr übriges, so dass für viele Schweden das Auto eine schiere Notwendigkeit darstellt.

Die langen Anfahrtswege in Schweden – allein die Grundstückszufahrt kann ja schon mal mehrere Kilometer lang sein – lassen eigentlich erwarten, dass die jährliche Fahrleistung hier besonders hoch ist. Kurioserweise legt ein schwedisches Auto durchschnittlich aber nur 14.500 km im Jahr zurück, während es ein deutsches auf 18.500 km bringt. Und auch innerhalb Schwedens ist eine Tendenz zu erkennen, dass dichte Besiedelung, kurze Distanzen und ein gutes Nahverkehrsangebot nicht zu geringeren Fahrstrecken führen: Die Stockholmer bewegen ihre Autos im Landesvergleich nämlich am meisten (15.960 km), während Norrbotten, wo auf einen Quadratkilometer drei Menschen kommen, mit 13.720 Durchschnittskilometern auf einem der letzten Plätz liegt. Trotz allem bringen es die Schweden damit aber auf eine Gesamtfahrleistung, mit der sie 216 mal zur Sonne und wieder zurück fliegen könnten.

Insgesamt gibt es hier 4,3 Millionen PKW, was bedeutet, dass fast jeder zweite Schwede motorisiert ist. Von diesen PKW sind knapp 32% silber und jeweils 17 % rot oder blau. Bei der Wahl ihrer Autos vertrauen die Schweden natürlich – wie die Deutschen auch – auf heimische Marken: Jeder vierte fährt einen Volvo, zusammen mit Saab machen schwedische Fabrikate ein Drittel des Straßenverkehrs aus (In Deutschland ist der Anteil von VW, BMW, Opel und co. aber sogar zwei Drittel). Die Vorherrschaft von Volvo ist dabei alles andere als gefährdet. 2009 wurden fast doppelt so viele neue Volvos angemeldet wie Volkswagen, die auf Platz zwei der beliebtesten Autos in Schweden stehen. Saab hingegen ist auf dem Rückzug, aber da weiß man ja eh nicht, wie es mit denen weitergeht

Alle Daten stammen von Statistiska centralbyrån.

Werbeanzeigen

Unnützes Partywissen über Schweden: Namen


Wie zu erwarten, haben wir in den letzten Wochen viele neue Menschen kennengelernt und uns natürlich auch vorgestellt. Dabei freut man sich immer wieder, dass wir so schwedische Vornamen haben: Das klingt ja fast wie Tommy und Annika!

Karl Magnus "Kalle" Ankas Stammbaum (Quelle: http://duckman.pettho.com/tree/v_swedish.html)

Erst seit dem späten 18. Jahrhundert ist es in Schweden üblich, einen Nachnamen zu tragen. Zuvor hatten sich lediglich Adelige, Priester und höhere Bürger mit einem solchen ausgestattet – wohl vor allem, um ihren Nachfahren bei der Ahnenforschung zu helfen, einem beliebten schwedischen Hobby. Um Verwechslungen unter der normalen Bevölkerung zu vermeiden, ergänzte man den Namen des Vaters der betreffenden Person, das sogenannte Patronym, wie zum Beispiel Holger, Nils Sohn oder Nils, Holgers Sohn usw. Trotz der nicht besonders großen Zahl schwedischer Vornamen reichte diese Angabe im dünn besiedelten Schweden völlig aus, um jemanden im Alltag eindeutig zu identifizieren.

Die Grenzen des Patronyms bei der Identifikation einzelner Personen zeigten sich ungefähr im 17. Jahrhundert im Militär: Hier stießen plötzlich größere Menschenmengen aufeinander und die Offiziere mussten einen Weg finden, die ganzen Anders Anderssons voneinander zu unterscheiden. Daher begann man, jedem Soldaten einen Zunamen zu geben, der beispielsweise an eine persönliche Eigenschaft geknüpft sein konnte  (Modig = mutig, Glad = glücklich, Trofast = fest im Glauben), dem Kriegswortschatz entnommen (Kämpe = Krieger, Skott = Schuss, Kanon = das übersetze ich jetzt nicht!) oder ein Begriff aus der Natur war (Björn = Bär, Ek = Eiche, Lilja = Lilie – mir drängt sich der Gedanke auf, dass diese Begriffe Stellvertreter für die direkte Benennung einer Eigenschaft waren: Björn = stark, Ek = standhaft und Lilja = schön?). Alternativ bot es sich auch an, die Soldaten nach geografischen Besonderheiten ihrer Herkunftsorte zu bennen: Holm (= Insel), Ström (= Fluss), Berg. So konnten im Kampfgetümmel individuelle Befehle gegeben werden, ohne dass sich gleich das halbe Regiment angesprochen fühlte. Schied ein Soldat jedoch aus der Armee aus, so gab er auch seinen Soldatennamen ab, vererbte ihn an seinen Nachfolger und benutzte fortan wieder seinen Vaternamen.

Erst 1901 wurde in Schweden eine Verordnung über das Führen von Nachnamen erlassen. Hatte man noch keinen vererbten Namen, so wählte man häufig einen Soldatennamen, den irgendein Vorfahr getragen hatte – daher begegnet man auch heute noch vielen Trägern solcher Namen wie Lindgren (= Lindenast). Aber es war auch weiterhin gestattet, ein Patronym zu wählen. Diese Möglichkeit wurde erst 1966 aufgehoben und seitdem erben alle Schweden den Nachnamen ihrer Eltern.

Diese kleine schwedische Namensgeschichte erklärt also die Tatsache, warum für einen Deutschen der ideale Schwede Sven Svensson heißt und warum sogar die Schweden genau diesen zu ihrem Max Mustermann erkoren haben und warum ihr Otto Normalverbraucher Medelsvensson* (= Mittelsvensson) genannt wird. Immerhin hat in Schweden jeder Dritte einen Nachnamen, der auf -son endet und knapp über 100.000 der 9,4 Millionen Schweden heißen tatsächlich Svensson. Dieser Name liegt aber gerade einmal auf Platz 9 der Statistik, die von Johansson (258.785) und Andersson (257.994) angeführt wird. Jeweils fast 3 % aller Schweden tragen also einen dieser Namen! Die deutschen Müllers hingegen bringen es gerade einmal auf 1,5 %. Lindberg, der erste Nicht-son, liegt in der schwedischen Rangliste der häufigsten Nachnamen dann erst auf Platz 17.

Und auch als Vorname ist Sven nicht so beliebt, wie man annehmen könnte. Zur Zeit tragen nur ca. 115.000 Schweden diesen Namen, womit er Platz 15 belegt. Angeführt wird die Namensliga nämlich vom urdeutschen Karl und von Erik, die Namen von jeweils ca. 7 % der männlichen Bevölkerung. Die Tatsache, dass immerhin ca. 2,5 Promille der Männer Karl Karlsson und 2,2 Promille Erik Eriksson heißen, ist somit nicht weiter verwunderlich. Und auch bei den Frauen gibt es eindeutige Favoriten: Fast jede zehnte Schwedin heißt Maria und beinahe 8% heißen Elisabeth.

Als letztes soll noch unsere eigene Einordnung in die schwedische Gesellschaft folgen: Sowohl Annika als auch Jonas liegen auf Platz 41 der häufigsten Vornamen in Schweden – ein Zeichen…?

* Nachtrag:

Heute morgen bin ich noch auf eine sehr lustige Broschüre über die Medelsvenssons gestoßen, herausgegeben vom Statistiska centralbyrå. Leider ist das pdf anscheinend nicht mehr direkt über die Website zu erreichen, weshalb ich sie jetzt hier unter Verweis auf die Quelle direkt zum Download bereitstelle. Was man aber über die Suchfunktion findet ist Tio-i-topp (= Top ten), 23 Seiten unterhaltsame Statistik über Schweden, in denen auch eine aktuelle Version über die Medelsvenssons zu finden ist.