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Erster (richtiger) Arbeitstag


Nachdem ich mich den größten Teil des Dezembers mit Grippeschnupfenfiebermeeeh zur Arbeit geschleppt und mit Paracetamol vollgepumpt hatte, kam’s dann in den Weihnachtsferien so richtig. Verantwortungsvolle Lehrer werden schließlich nur in den Ferien krank. Die erste Januarwoche war ich dann zwar wieder so ein bisschen auf den Beinen, aber selten länger als zwei Stunden am Stück, bevor das Sofa wieder lockender war als alles andere.

Am 7. Januar ging dann eigentlich die Schule wieder los, aber weil ich immer noch so matschig war, habe ich für die ganze erste Woche meinen Schülern abgesagt und bin nur jeden Tag ein paar Stunden hingefahren um leichtere Tätigkeiten zu verrichten. Emails schreiben, Noten kopieren, Unterricht planen. Den Rest der Zeit hab ich Überstunden abgefeiert.

In meiner freien Zeit habe ich dann auch noch zwei Seminararbeiten à 15 Seiten fertiggeschrieben, die ich spätestens heute einreichen musste. Damit ist mein Semester als Teilzeitstudentin (50%) jetzt auch abgeschlossen. Fazit: Joa. Ein Fernstudium ist sicher recht effektiv. Wenn man darauf aus ist, Scheine zu sammeln, ist der absolute Zeitaufwand für ein Fernstudium vermutlich geringer als bei einem Präsenzstudium, wenn mans richtig anstellt und vermeidet, Seminaraufsätze in Gruppenarbeit zu schreiben, was bei mir in einem der beiden Kurse der Fall war. Auch wenn meine Dreiergruppe wirklich sehr engagiert, war, schneller geht es definitiv nicht, eine Hausarbeit durch 3 zu teilen.

Gleichzeitig fällt aber auch alles weg, was ein Studium interessant macht. Und damit meine ich nicht Studentenpartys, sondern die Begegnung und der Austausch mit Kommilitonen, Dozenten und anderen interessanten Menschen. Das kann auch die beste Onlineplattform mit moderierten Forumsdiskussionen nicht ersetzen. Und wieviel man letztlich über gute Personalführung und Organisationsmanagement lernt, wenn man ein paar Bücher dazu liest, sei mal dahingestellt. Aber jetzt habe ich auf jeden Fall einen Zettel, auf dem steht, dass ich das studiert habe. Wer weiß, wofür es irgendwann mal gut ist…

Für das kommende Semester bin ich tatsächlich in allen vier Kursen angenommen worden, für die ich mich beworben habe, d.h. ich könnte jetzt meinen Job an den Nagel hängen und Vollzeit studieren. Ich glaube aber, ich bin gerade erst mal „satt“, was das Schreiben von Hausarbeiten angeht und werde meine Anmeldung zurückziehen und meinen Platz Nachrückern überlassen. Ich hab schon eine andere Fortbildung dieses Semester ins Auge gefasst. Aber dazu wann anders mehr.

Heute also der erste „richtige“ Arbeitstag nach den Ferien und gleich ein 10-Stunden-Tag mit Konferenz, 10 Klavierschülern und Orchesterprobe. Nichts davon wirklich schlimm, aber kann ich jetzt bitte wieder Ferien haben, danke?

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Fortbildung


Diese Woche sind für unsere Schüler Herbstferien, während für die Lehrer Montag-Mittwoch kompetensutvecklingsdagar oder studiedagar, Fortbildungstage sind. Wir Musikschullehrer sind dabei in jeder Hinsicht den Lehrern an den allgemeinbildenden Schulen gleichstellt.

Übers Schuljahr verteilt haben wir insgesamt 16 solcher Fortbildungstage, an denen unsere Schüler frei haben und wir unsere „Kompetenzen entwickeln“. Kompetenzentwicklung ist dabei ein sehr weit gefasster Begriff, eigentlich fällt darunter alles, was sonst im Alltag zu kurz kommt.

Klassischerweise sind die letzten Tage der Sommerferien solche Tage, da wird die Grobplanung fürs neue Schuljahr festgelegt, neue Kollegen eingearbeitet, fachübergreifende pädagogische Zielsetzungen erarbeitet und natürlich auch die individuelle Unterrichtsvorbereitung begonnen. Auch am Ende des Schuljahres liegen meist ein paar Fortbildungstage, in denen man das Schuljahr in Ruhe abschließen kann oder – wie wir letztes Jahr – Orchesterfahrten unternehmen kann. Die restlichen Tage liegen so wie jetzt in den Ferien oder auch mal mittendrin, die Schüler werden an diesen Tagen im Hort betreut.

Oft verbringt man die Fortbildungstage mit den engsten Kollegen, plant Konzerte und Projektwochen, probt gemeinsam oder macht endlich mal wieder Ordnung im Instrumentenvorrat und in der Notenbibliothek.

An zwei oder drei der Fortbildungstage werden Vorlesungen oder Seminare von externen Dozenten gehalten, in denen es ausschließlich um pädagogische Fragestellungen geht, z.B. den Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern. Sofern die Themen auch für uns Musikschullehrer relevant sind, sind wir bei den Vorlesungen der Grundschulen (Klasse 1-9) dabei.

Regelmäßig finden aber auch Fortbildungen nur für uns Musikschullehrer statt, in denen wir dann Kollegen aus den umliegenden Kommunen treffen, oft gekoppelt mit Vorträgen von Vertretern des schwedischen Musikschulverbandes oder Kulturpolitikern.

Unabhängig von den festgelegten Fortbildungstagen besteht aber auch sonst jederzeit die Möglichkeit, auf Fortbildungen zu fahren. Für Fortbildungen unter der Woche bekommen wir „frei“ und müssen die Stunden auch nicht nachholen, wenn nicht wirklich handfeste Gründe dagegen sprechen. Generell ist da die Haltung unserer Chefs die, dass eine Fortbildung ja keine Vergnügungsreise ist, sondern Arbeitszeit und außerdem eine Investition in die eigene Organisation, die sich langfristig wieder auszahlt in Form von motivierten und kompetenten Mitarbeitern. Erfreulicherweise sehen die Eltern der Schüler das genauso.

So war ich zum Beispiel kürzlich bei einem dreitägigen Kongress des schwedischen Klavierpädagogenverbandes. Die Kongressgebühr übernahm mein Arbeitgeber zur Hälfte, ebenso die Anreise. Als Jonas mit allen seinen Streicherkollegen letztes Jahr beim Kongress der Streicherpädagogen war, wurden sogar alle Kosten, inklusive Unterkunft, übernommen.

Der Klavierpädagogenkongress fand Freitag-Sonntag statt und selbstverständlich habe ich den Samstag und den Sonntag als Überstunden im Computersystem registriert.

Diese Woche ist daher für mich recht entspannt: am Montag haben meine Kollegen und ich die kommenden Wochen bis Weihnachten geplant und am Freitag habe ich zum ersten Mal seit 2009 mal wieder selbst Klavierunterricht – bei einem Hochschuldozenten in Göteborg, den ich beim Kongress kennengelernt habe.

Den Rest der Woche arbeite ich meine Überstunden ab:

Puzzle