Schlagwort-Archive: Weihnachten in Schweden

18. Dezember 2015 – Schwedische Weihnachtstraditionen


Die äußere Sicht auf die eigenen Weihnachtstraditionen hatten wir ja schon, aber was passiert eigentlich, wenn man dann wirklich Weihanchten in einem anderen Land feiern soll/darf/muss… ? Der Schauspieler Will Ferrell ist mit der schwedischen Schauspielerin Viveca Paulin verheiratet und hat wahrscheinlich schon so manchen 24. Dezember in Schweden verbracht. Dabei hat er den Kern des hiesigen Weihnachtsfests durchaus verstanden (Schnapslieder singen und Aquavit trinken), andere Traditionen sind ihm aber offenbar noch nicht so vertraut. Wobei die den Fragen zugrunde liegende Recherche wirklich nicht die beste war: Nein, Schweden stellen keine Kerzen in die Fenster sondern ljusstakar, denn Kerzen könnten ja brennen; ja, in Schweden findet die Bescherung wie in Deutschland am Heiligabend statt; nein, in Lauge gewässerter Stockfisch ist nicht das typsiche Weihnachtsessen, das ist eine norwegische Tradition, Schweden halten sich lieber an Gegrillten Schinken und Janssons (auch wenn im Supermarkt im Moment durchaus einige wenige Pakete lutfisk rumliegen); nein, Gänseblutsuppe (svartsoppa) gehört nicht zu Weihnachten, sondern zu Sankt Martin und ist die logische Vorspeise zu einem Gänsebraten.

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2. Dezember 2015 – Christmas [Surviving Germany]


Wie feiert man in anderen Ländern Weihnachten? Schon innerhalb eines Landes können die Traditionen erheblich variieren und obwohl eigentlich das gleiche Ereignis gefeiert wird, sieht das Fest von Land zu Land sehr unterschiedlich aus. Umso spannender, einmal einen Blick von außen zu bekommen, von jemandem, der nicht mit den gleichen Bräuchen aufgewachsen ist.

Wir finden zum Beispiel das obligatorische julbord, das traditionelle schwedische Weihnachtsessen bestehend aus einem Buffet mit eingelegtem Hering, Schinken und köttbullar etwas… sagen wir… überbewertet. Zumal das Ganze mit nur leichten Abwandlungen auch an Ostern (mit bunten Eiern) und Midsommar (mit frischen Erdbeeren) serviert wird. Aber es geht hier immerhin um Traditionen, und deshalb reagierte Annikas Lieblingskollege auch ziemlich empört als Annika Janssons frestelse einmal respektlos als Kartoffelauflauf mit Fisch bezeichnete, es ging hier immerhin um Janssons!, den heiligen… äääh… Kartoffelauflauf mit Anchovis, den die Schweden als Pflichtprogramm jedes Weihnachtsbuffets vergöttern. Dafür können die Schweden unsere Begeisterung für Lebkuchen mit Oblaten nicht ganz nachvollziehen…

Auch anderen kulinarischen Genüsse können wir nicht den gleichen Enthusiasmus entgegenbringen wie unsere schwedischen Freunde, zum Beispiel julmust, eine Art zu Limonade verdünntem Malzbier, das den Verkauf von Coca Cola in Schweden jedes Jahr im Dezember um die Hälfte einbrechen lässt, pepparkakor als einzige Form von Weihnachtsplätzchen oder die Angewohnheit, Rosinen und Mandeln in den völlig überzuckerten Glühwein (glögg) zu geben.

Und wie sieht nun deutsches Weihnachten von außen betrachtet aus? Fragen wir doch einmal einen Engländer, der schon eine ganze Zeit in Deutschland lebt:

20. Dezember 2012 – Weihnachten mit Piff und Puff


So amerikanisch und doch so schwedisch: Weihnachten mit Donald Duck Kalle Anka. Ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest in bester Disney-Manier. A-Hörnchen und B-Hörnchen alias Chip und Chap heißen in Schweden übrigen Piff und Puff, was für diesen Clip definitiv besser passt:

Der Hauptgrund, warum wir gerade dieses Video noch in unseren Adventskalender mit aufgenommen haben, ist übrigens bei 00:00:46 zu hören – die Hörnchen wissen eben, was sich gehört…

13. Dezember 2012 – Schwedische Weihnacht anno dazumal


Weihnachtstraditionen verändern sich. Wer weiß, ob die Menschen in diesem Video Kalle Anka alias Donald Duck überhaupt gekannt haben? Den SVT-Adventskalender gab es auf jeden Fall noch nicht (mangels Fernsehen in Schweden) und der jultomte war noch inspiriert von Wichteln und nicht von Coca-Cola – angeblich war es übrigens ein skandinavisch-stämmiger Werbegrafiker, der 1931 Santa Claus für die Werbekampagne der Coca-Cola-Company zeichnete und so dessen modernes Bild prägte.

Von wann dieser Film genau ist, lässt sich wohl nicht genau sagen. Ich habe eine Seite gefunden, auf der das Jahr 1951 genannt wird. Andere Kommentare vermuten eine frühere Entstehung, es gab ja auch aus den 30er Jahren bereits Farbfilme. Irgendwelche Experten hier, die anhand von Einrichtung, Kleidung, Filmtechnik etc. eine genauere Analyse wagen möchten?

Und für die noch bessere Wochenschauatmosphäre das ganze in schwarz-weiß:

Weihnachten, Neujahr und ein bisschen Winter


So, das war’s also: der erste Weihnachts-Neujahr-Familienbesuch in der neuen Heimat. Da in unseren zwei Zimmern natürlich kein Schlafplatz für die ganze Mannschaft ist, kamen meine Mutter und ihr Freund im eigenen Wohnmobil, Jonas‘ Eltern und Brüder hatten sich ein Ferienhaus in der Nähe gemietet und nur mein Bruder schlief während seines Kurzbesuchs hier in unserem Wohnzimmer. Platz ist ja aber bekanntlich in der kleinsten Hütte und so konnten wir wenigstens zu den Mahlzeiten alle hier bei uns an einer langen Tafel unterbringen.

Heiligabend: 9 Menschen und ein Weihnachtsbaum in unserem kleinen Wohnzimmer

Das Ferienhaus können wir übrigens allen zukünftigen Gästen, die hier aufkreuzen sollten, wärmstens empfehlen: auf einem kleinen Hügel direkt am See gelegen, mit eigenem Steg (der um diese Jahreszeit allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielt), Kaminofen (im Moment wesentlich wichtiger) und fantastischer Aussicht, bietet es Platz für vier Personen – und nein, ich werde nicht für die Werbung bezahlt…
Trotzdem: Hier kann man das Haus mieten…

Das Ferienhaus am leicht angefrorenen See

Das Wetter war zwar insgesamt eher durchwachsen und leider immer noch schneefrei, dennoch hatten wir immer mal wieder ein paar Stunden Sonne für diverse Unternehmungen. Die Fahrt mit dem Göteborgshjulet, dem Riesenrad im Göteborger Hafen z.B., um das wir bisher immer einen großen Bogen gemacht haben („wir sind doch keine Touris“) hat sich trotz des stolzen Preises von rund 10 Euro wirklich gelohnt, schon deshalb, weil man eine Viertelstunde im Warmen sitzt :-) Und die Aussicht ist wirklich fantastisch. Wir waren um die Mittagszeit drin, als die Sonne am höchsten stand…
Übrigens dürften wir zu den letzten gehört haben, die an diesem Platz im Riesenrad waren (was wir zu diesem Zeitpunkt gar nicht wussten). Seit gestern wird das Riesenrad abgebaut und zieht nach Liseberg um, dem Göteborger Vergnügungspark, wo es zur Saisoneröffnung im Frühjahr wieder in Betrieb genommen werden soll.

Göteborgshjulet
Aussicht über den Hafen, rechts im Bild Läppstiftet (der Lippenstift); der Viermaster ist ein ***Hotel, Liseberg Barken Viking
Rund 60 m hoch und mit 42 beheizten Gondeln
Mittagssonnenstand in Göteborg, sechs Tage nach dem kürzesten Tag des Jahres

Am 30. waren bis auf meine Mutter und Freund alle bereits wieder abgereist, sodass wir in kleiner Runde einen Ausflug nach Marstrand machten. Wir waren ja im Sommer schon mal dort gewesen, aber an einem sonnigen Wintertag hat das Inselchen auch was. Was es zur Zeit jedenfalls nicht hat: Touristen. Wir hatten die Insel quasi für uns allein.

Carlstens Festung auf Marstrand - mitten im Winter...
Auch im Winter schön: die Schären vor Marstrand - mittags um zwei.

Von Dagmar, dem Sturm, der an Weihnachten halb Schweden lahmgelegt hat, haben wir übrigens nur wenig mitbekommen. Klar, gestürmt und geschüttet hats hier auch, aber wir hatten weder Stromausfall noch sind unsere Dachziegel weggeflogen oder der (nicht vorhandene) Keller vollgelaufen.

Jetzt im (astronomischen) Mittwinter kommt die Sonne selbst zur Mittagszeit nur mit Mühe über den Horizont und scheint einem dann gerade so in die Kniekehlen. Das führt dazu, dass eigentlich den ganzen Tag lang Sonnenuntergangslicht ist – zumindest bei klarem Wetter. Dicke Regenwolken oder gar Nebel hingegen bewirken, dass ich mich an manchen Tagen wie eine Schlafwandlerin fühle. Denn wenn es draußen dunkel ist, gehört man schließlich ins Bett – oder wenigstens mit Buch, Wolldecke und einem Becher Kakao aufs Sofa…

Silvester wurde es dann wenigstens etwas kälter (wenn schon kein Schnee), sodass über Nacht der See zufror und wir am Silvesternachmittag eine wunderschöne Seerundwanderung machen konnen und uns das Elchfondue zum Jahreswechsel auch ordentlich verdient hatten.

Bei Kilanda kyrka
Friedhof Kilanda Kyrka