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Checklisten abarbeiten


Die einschlägigen Seiten im Internet, die einen mit kilometerlangen Checklisten erschlagen versorgen, empfehlen durchweg, spätestens zwei Wochen vor der Hochzeit die neuen Schuhe einzulaufen. Ok, dann mach ich das mal:

Brautschuhe.jpg

(Je mehr Energie man darauf verwendet, für den worst case vorbereitet zu sein, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eintritt, war das nicht so? In diesem Sinne die Bitte an unsere Gäste: bitte nehmt Regenschirme und warme Jacken mit!)

Erster Schultag


Für die Schüler ist heute der erste Schultag nach neuneinhalb Wochen Sommerferien – und dazu passend haben wir seit Sonntagabend Bindfadenregen, Sturm und 10 Grad. Mit anderen Worten: Herbst. Hmpf.

Die Lehrer in Schweden haben bereits vor einer Woche begonnen, das Schuljahr zu planen und an meiner Musikschule haben wir auch schon die erste Orchesterfreizeit hinter uns. Also „Freizeit“ und „Freizeit“ – wie das eben so ist, wenn man als Lehrer mit 25 Zehn- bis Zwölfjährigen ein Wochenende lang probt, badet, Brennball spielt, Rätsel löst und Schnitzel jagt. Insgesamt war es aber doch ein weitaus entspannteres Orchesterlager, als ich es von früher aus Deutschland gewohnt bin. Wir waren 5 Lehrer und 4 Eltern und für alle (außer für mich, wie gesagt) war es ganz selbstverständlich, dass wir Lehrer für die Zeit jenseits der Proben genau null Verantwortung für die Freizeitgestaltung und reibungslose Abläufe hatten. Die Badeaufsicht war geregelt, irgendwer kümmerte sich um die Zimmerverteilung, die Nachtruhe und das Wecken, die Eltern organisierten die Schnitzeljagd und die Kinder hatten alle ihre unterschiedlichen Allergien und Lebensmittelintoleranzen selbst im Griff. Über den Ausgang des Brennballmatches „5 gegen 25“ haben wir Stillschweigen vereinbart.

Da bleibt dann auch noch Luft, abends ganz entspannt um halb elf schlafen zu gehen – wir Lehrer hatten unser eigenes Haus – und morgens um 7 mit ein paar ganz Eifrigen einen Morgondopp im See zu nehmen. Selbst schuld, wer da mit den Schülern wettet, dass sie so früh eh nicht wach wären und im Gegenzug vom Drei-Meter-Turm springen muss…

Nun ja, ein paar Tage wird der „richtige“ Schulalltag noch auf sich warten lassen, bis der Stundenplan gemacht ist und ich alle Sonderwünsche meiner rund 50 Klavierschüler unter einen Hut gebracht habe. Zwölf Neuanfänger habe ich, das wird spannend, die alle unterzubringen.

Von unserem Sommer im VW-Bus erzählen wir dann wannanders mal – wenn das Wetter weiter so mies bleibt, dauert das auch gar nicht mehr so lange, bis wir alle Bilder gesichtet haben.

Wetterwarnung


Eigentlich sind wir ja im Urlaub und daher wie immer um diese Zeit auch internetlos, aber heute machen wir mal kurz eine Ausnahme – um übers Wetter zu reden.

Ich habs ja immer gesagt, als wir noch in den Tropen in Karlsruhe gewohnt haben: Temperaturen über 25°C sind ungesund und beeinträchtigen nennenswert das Wohlbefinden, jedenfalls meines (in Karlsruhe zwischen April und September eher die Regel als die Ausnahme). Der schwedische Wetterdienst SMHI teilt meine Auffassung bezüglich hoher Temperaturen offenbar und hat Wetterwarnungen der Klassen 1 und 2 auf der dreistufigen Skala für Mittelschweden und Teile von Nordschweden wegen „extrem hohen Temperaturen“ ausgegeben. Klasse 2 beinhaltet u.a. „Gefahr für die Allgemeinheit“ und „große  Störungen in wichtigen Gesellschaftsfunktionen“ wenn das Thermometer an der 30°C-Grenze knabbert.

Wetterwarnung

Wir urlauben dann mal lieber weiter…

Bombenwetter


Högsommar (Hochsommer) – so lautete die Überschrift für den heutigen Wetterbericht. Und das war definitiv nicht übertrieben bei Temperaturen bis 30°C und Gewitterluft.

„Was ein Bombenwetter“ dachte sich daher wohl ein Spaßvogel mit einem etwas kranken Sinn für Humor, als er gegen neun Uhr per E-Mail eine Bombendrohung an das Boråser Tingsrätt (Gericht) schickte und damit kurzerhand die ganze Innenstadt lahm legte. Die ganze Region schickte Polizisten zur Verstärkung und aus Göteborg kam ein Spezialtrupp, um die Bombe vor der angekündigten Detonation um drei Uhr nachmittags zu finden. Mittlerweile sieht es aber so aus, als ob es nie eine Bombe gegeben hätte, denn weder hat man etwas gefunden, noch gab es eine Explosion. Auch die Hintergründe der Drohung bleiben bisher schleierhaft, da heute noch nicht einmal ein kontroverser Prozess im Gericht stattfinden sollte.

Das Sperrgebiet rund um das Gerichtsgebäude mitten in der Boråser Innenstadt. (Quelle: Borås Tidning)

Seltsam ist auch, wie manche Leute auf so eine Bombendrohung reagieren: In der Musikschule, die nur wenige hundert Meter vom Gericht entfernt liegt, herrschte eine etwas nervöse Anspannung, als es auf drei Uhr zuging, die durch flapsige Bemerkungen („in drei Minuten knallt’s“) verdrängt wurde – das fand ich irgendwie verständlich. Warum man aber unbedingt auf die Straße gehen muss, um auch wirklich hautnah mit dabei zu sein, ist mir ein ziemliches Rätsel.

„Det här är ju det första bombhotet i Borås på säkert 40 år, det vill man ju inte missa så vi bestämde oss för att gå ut på gatan i stället för att sitta inne.“
Das ist ja das erste Mal seit 40 Jahren, dass wir hier in Borås eine Bombendrohung haben. Das will man ja nicht verpassen, deshalb sind wir raus gegangen anstatt drinnen in der Bude zu hocken.
(Quelle: Borås Tidning)

Seit halb fünf ist die Innenstadt wieder freigegeben und Wochenendshopping oder Feierabendbier steht nichts mehr im Wege. Die Polizei hat eine Untersuchungen wegen olagligt hot (illegale Drohung) eingeleitet. Wir hingegen nutzen das Bombenwetter für etwas sinnvolleres: Jetzt wird nämlich die Badesaison eröffnet.

Eis und Schnee


Oh, es war anscheinend heute Nacht doch windiger, als ich dachte:

Straßenschild

Mein Fußweg zum Job heute war ein echtes Erlebnis. Ich war etwas spät dran, weil ich noch Winterstiefel, Handschuhe und Stulpen raussuchen musste, die heute zum ersten Mal dieses Jahr zum Einsatz kamen. Mit dem Auto wäre ich wohl kaum aus der Garage gekommen, dort war ein Meter aufgewehter Schnee.

Wir sind jedoch wirklich glimpflich davongekommen – in anderen Teilen Schwedens wurden heute Züge und Flüge eingestellt, Strom- und Telefonleitungen beschädigt und Bäume und LKW umgeweht.

Normalerweise brauche ich für die knapp zwei Kilometer zu der Grundschule, an der ich freitags unterrichte, gute 20 Minuten. Heute war das jedoch deutlich länger, da teilweise noch gar nicht geräumt war und ich durch knietiefen Schnee stapfen durfte (macht Spaß!). Und dort wo geräumt war, war unter dem Schnee eine zentimeterdicke Eisschicht – eine ziemliche Schlitterpartie, auch zu Fuß (macht weniger Spaß).

Nachmittags hatte ich dann meine Schüler in der Musikschule und für die drei Kilometer dorthin hatte ich nur eine halbe Stunde Zeit. Oh, was hab ich mir einen Schlitten gewünscht, als ich zu Fuß den Berg von der Grundschule runtergeschlittert bin…

Mein Arbeitsplatz sieht bei diesem Wetter und mit Weihnachtsbeleuchtung sowas von mysig aus:

Musikens Hus

… und gemütlich war es heute wirklich: Das große Weihnachtskonzert haben wir gerade erfolgreich über die Bühne gebracht und der nächste vorweihnachtliche Höhepunkt – Lucia – ist noch eine ganze Woche weg. Und dann hatten wir heute auch noch einen Geburtstag im Kollegium, der mit selbstgebackenem Schokokokoszimtkuchen begangen wurde; die Kalorien habe ich dann auf dem Heimweg gleich wieder „weggeschlittert“. Oder so.

Weiße Pracht


2. Advent und draußen ist alles weiß. Die ganze Nacht und den Vormittag lang fällt das weiße Zeug vom Himmel. Aber von wegen: „Leise rieselt der Schnee.“ Mit ohrenbetäubendem Lärm schlägt der Hagel stundenlang gegen die Fenster und auf die Fensterbretter – letzte Nacht wurde uns zum ersten Mal bewusst, dass diese aus Blech sind…

Mit ein wenig Fantasie ist es aber kein Problem, sich beim Adventsfrühstück der Illusion hinzugeben, der erste Schnee wäre gefallen. Ich mach mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt…

Letzte Woche Sturm, diese Woche Hagel. Mal sehn, was nächste Woche kommt.

2. Advent
Weiße Pracht?